|
|
Die weithin bekannte E-Netz-Konkurrenz ist auch nicht besser: nachdem man den Stand mit der Lupe suchen mußte stellte sich heraus, daß auch diese nicht mit Mobilfunktelefonen und Vertragskonditionen angerückt waren, sondern lediglich mit einem Packen Flyer, einem Stuhl und einem Mitarbeiter. Dieser entschuldigte sich demütigst und schenkte mir zumindest einen leuchtend blauen Kugelschreiber, den ich dankend entgegennahm — ist es mir auch offenbar nicht vergönnt, per Handy zu telefonieren, so kann ich doch jetzt zumindest Postkarten beschriften…
Es ist schon eine Weile her, daß ich mir dieses 5EUR-Handy mit Prepaid-Karte und 5EUR Startguthaben zugelegt hatte; es geschah mehr oder minder aus einer Laune heraus und entsprang der Tatsache, daß die Rufnummer so gut zu merken war. Dann war ich überrascht: sowohl Sprachqualität als auch Empfang sind toll.
Damit ging das Drama los.
In unregelmäßigen Abständen fütterte ich die Prepaid-Karte mit 15EUR Guthaben und wunderte mich, daß ich damit meist nicht übermäßig weit kam. Ich telefoniere kaum, schreibe selten SMS, aber hin und wieder halt schon, und meist dann, wenn es benötigt war, war die Karte leer.
Deshalb beschloß ich, den bestehenden Prepaid-Tarif in einen regulären Vertrag umzuwandeln; die Nummer wollte ich gerne behalten, im Fernsehen hatte ich irgendwann gehört, daß man ja inzwischen sogar beim Providerwechsel die Nummer mitnehmen kann – und ich wollte den Netzbetreiber ja nichtmal wechseln, ich war ja nicht unzufrieden. Allerdings: im $freundlichen Netzbetreiber-Laden erklärte man mir, dies sei »unmöglich«. Wohlgemerkt: die Konkurrenz merkte lediglich bedauernd an, daß ein Transfer der Nummer zu ihnen kein Problem, aber leider mit Kosten verbunden sei. So schob ich den Task ersteinmal auf ’stalled’.
Im letzten Urlaub löste sich dann zumindest ein Rätsel: ich erhielt plötzlich vom Netzbetreiber eine SMS, daß der Betrag für irgendeine obskure SMS-und-Weekend-Flat, die ich nie hatte haben wollen, nicht von meinem Guthaben abgebucht werden konnte, da das Guthaben zu gering sei; Frechheit, wie ich fand, was buchen die mir einfach von meinem Guthaben ab – kein Wunder, daß das ständig alle ist! Im $freundlichen_Laden nachgefragt, hieß es nur schnippisch »dann müssen Sie den Tarif wechseln. Rufen Sie mal die #!/)%&”)=% an!« – na danke.
Der Task hing also nach wie vor auf ’stalled’, und ich beschloß, ihn bis zur CeBIT auch dort zu lassen; die Informationsflut der Messe wollte ich nutzen, mich eingehend zu informieren und mir in dem Zuge ein neues Handy und einen passenden Tarif zu suchen. Doch weit gefehlt: der Netzbetreiber betreut in diesem Jahr ausschließlich Geschäftskunden und speist seine Privatkunden (und solche, die es ursprünglich hatten werden wollen) mit einem lieblosen, aber doch bunt bebilderten Tarifkatalog ab (wohlgemerkt: diese Menschen durften den Pavillon nichteinmal betreten, sie wurden schon an der Tür wieder hinauskomplimentiert!).
Lieber Netzbetreiber: so geht das nicht. Ich bin heute bei Deiner Konkurrenz gewesen, die in Halle 4 einen wirklich beeindruckenden Auftritt vorlegt und sich exzellent seiner (zukünftigen) Privatkunden annimmt – hier wurde ich gleich von zwei hübschen und kompetenten Mädels beraten, und zwar sowohl bezüglich der Preisstruktur als auch der Endgeräte. Ich sehe nicht, warum ich Dir als Kunde erhalten bleiben sollte, wo Du doch offensichtlich ohnehin keinen Wert auf mich legst.
Aber nett finde ich das nicht. Wirklich nicht.
Halle 9, Stand 43
There is life outside your apartment.
I know it’s hard to conceive.
But there’s life outside your apartment.
And you’re only gonna see it if you leave.
There is cool shit to do,
But it can’t come to you,
And who knows, dude
You might even score!
There is life outside your apartment.
But you gotta open the door!
»There is life outside your apartment«, Avenue Q
Zumindest in einem Punkt kann ich mir sicher sein: ich würde nicht »als alte Jungfer in meinem Apartment sterben, und von Schäferhunden unbemerkt angeknabbert werden« (Bridget Jones, Schokolade zum Frühstück) — dazu beobachten zu viele Menschen mein Online-Dasein, und wäre ich nicht irgendwann ans Telefon gegangen, wären sogar meine Eltern benachrichtigt worden
Aber es stimmt: ich mache mich rar. Der Blog hat mich mehr als drei Jahre meines Lebens begleitet; meine erste ICQ-UIN hatte ich 1997. Doch irgendwie schmeckt das alles inzwischen schal und abgestanden, ich bin im »richtigen Leben« angekommen: plötzlich geht es darum, wochenends einen Zweitklässler auf dem linken und eine Drittklässlerin auf dem rechten Knie zu balancieren, Zeit effizient zu planen, bewußt Freiräume zu schaffen. Freizeit ist ein Heiligtum, die vorm flackernden Kaminfeuer zelebriert wird, bei der Lektüre eines spannenden Buches, einer Fahrt ins nahegelegene Ausland.
Aufräumen ist angesagt, in allen Lebensbereichen; neben umfangreicher Gedankenarbeit gehört dazu auch die Auflösung meiner Hardware-Sammlung, für die in diesem neuen Leben einfach kein Platz mehr ist — der möchte anders genutzt werden. Umbauarbeiten stehen an, Böden, die gerichtet werden wollen, Teppiche, die verlegt werden wollen, Wände, die tapeziert oder gestrichen oder verputzt werden wollen. Während iTunes im Dauerlauf vor sich hin singt, entstehen in ArchiCAD visionäre Räumlichkeiten (ich freue mich auf den Tag, an dem ich mich auf der Leinwand in 3D durchnavigieren kann!), und wenn das Wetter es zuläßt, puzzle ich draußen herum und überlege mir ein Garten-Konzept.
Kryptisch waren einige der letzten Einträge in der Tat, kryptisch nur für die, die nicht unmittelbar betroffen sind; aber deshalb ist das hier ja auch das »Tagebuch der Localwurst« — in weiteren drei Jahren »blättere« ich darin und erinnere mich an Dinge, die ich sonst vielleicht vergessen hätte. Der geneigte Leser möge mir das nachsehen.
Euch ein entspanntes und erholsames Wochenende — ich miste nun weiter meine Regale aus
Waagen. Waagen »wie Sand am Meer« (harr harr) +++ Und sie werden tatsaechlich benutzt… +++ Luemetten sind toll. Beweisvideo folgt. +++ Caches bis zum Abwinken — Jeanne und Sébastien auf grosser Reise. +++ Bettenburgen sind haesslich. +++ Spanier bauen gerne und reissen auch gerne wieder ab, um weiterbauen zu koennen. +++ Orangenblueten. Mmmmmh… +++ Ranziges Internetterminal mit klemmendem Keyboard — grrrr. +++ Walter O., sing fuer mich! (Aber bitte nicht auf englisch — das kannst Du naemlich nicht!) +++ Wellen sind toll. +++ Sich treiben lassen… +++ Weit und breit keine Shells in Sicht. +++ Havana Club — Prost! +++ ¡Kaept’n Nemo raucht Seegras mit Kirschgeschmack! +++ Kurven. Kurven bei Nacht. Albtraeume von Kurven. Kurven voller Fahrradfahrer. Kurve mit bremsendem LKW. Kurven ueberall. +++ ¿(C)oldest beer in town? +++ Kleine Mistkarre schlaegt sich wacker. +++ Klein-Dubai leuchtet bei Nacht (Faro2 eher weniger…). +++ Golfplaetze en masse. Willenloses Umherpruegeln unschuldiger kleiner weisser Baelle. +++ Geschaeftsidee: Starbucks-Filiale in Maspalomas! +++ Kakteen — hier hat der Beifahrer den Arm im Auto zu belassen! +++ Kakteen — auch praktisch als Sichtschutz, Stacheldrahtersatz oder Igelbeschaeftigung. +++ Lokalsender sind hier sehr lokal. +++ Die 80er leben!!! +++ ¿Wetter? Nein, hier wird nicht gemeckert! +++ Muss duschen — bin selbst zur kanarischen Salzkrusten-Kartoffel mutiert…
Nur zwei Möglichkeiten: verrückt werden oder sich auf einen Punkt an der Wand konzentrieren und es geschehen lassen.
Entscheidet man sich für letzteres, fallen einem seltsame Details auf: die Plastikpflanzen, beispielsweise, und daß das Heizungsgebläse viel zu laut ist und viel zu störend. Der wiederholte Versprecher beim Familiennamen auch, und daß ziemlich viele Leute den Kopf drehen, wenn die Tür sich leise öffnet. Die welke Stelle am Schleierkraut, die so gar nicht gut ausschaut, und die graue Plüschmaus an der Handtasche der links stehenden Dame. Die eigenen Füße, die kälter werden und kälter, bis sie nur noch Schmerz sind, während man nachdenklich die fallenden Flocken beobachtet, den Kopf in einer Wolke und die Füße in einer Schneewehe. Man konzentriert sich auf seinen persönlichen »Punkt an der Wand«, nur um schlußendlich festzustellen, daß man auch den nicht versteht, und die Einsamkeit ist grenzenlos, die Leere allumfassend. Nun wird man doch verrückt.
Die Familie verläßt den Ort des Geschehens als letzte.
In diesem Jahr ist mir irgendwie nicht nach dem obligatorischen Jahresrückblick: zu turbulent war das Jahr, so vieles ist passiert.
Meine »guten Vorsätze« des letzten Silvesters habe ich weitestgehend eingehalten, ich habe einen neuen Job, habe mein Privatleben im Griff. Und die Vorsätze für 2010 sind klar definiert, wenn auch nicht zahlreich.
Zuguterletzt: am heutigen Abend habe ich die ersten Photos in meinem eigenen Studio geschossen; mit einem 300Ws-Blitz, einem 100Ws-Blitz, einer 90cm-Octagon-Softbox und einem Schirmchen lassen sich schon recht wilde Dinge anstellen… Mein Dank geht an dieser Stelle an mein williges Model, das so brav stillhielt.
Wir lesen uns im kommenden Jahr: weniger »Urban Exploration«, mehr Studiophotographie. Die localwurst wird auch im kommenden Jahr auf den Chemnitzer Linux-Tagen anzutreffen sein, doch erstmals als Aussteller, nicht als Gast — man darf gespannt sein… Es wird mehr gekocht werden: zumindest zum größeren Teil muß ich die Rezepte in meinem Kochbuch doch endlich mal ausprobieren! Mehr Dummschwatz, ich habe mir fest vorgenommen mehr zu rauchen, und ansonsten: leben!
Leben!
Guten Rutsch Euch — wo immer Ihr auch gerade herumrutscht
|
|
Kommentare