Localwürstchens Tagebuch

Ich muß nicht über meine Gefühle sprechen — ich blogge.

20. May 2013
by localwurst
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Kinderspielplatz

Die meisten von uns kennen das: sie sagt »Schatz, der Mülleimer ist voll!« und meint damit eigentlich »Trag ihn raus.«. Er hingegen hört »Schatz, der Mülleimer ist voll!«, denkt sich nach einem kurzen Seitenblick in Richtung corpus delicti »Stimmt!« — und geht dann, ohne sich angesprochen zu fühlen, seiner Wege. Das beweist unter anderem, dass Kommunikation schon unter Erwachsenen gar nicht so einfach ist. Kommunikation mit Kindern ist noch spannender.

Am Samstag waren wir mit dem Rumpelstilzchen im »Boo«1, und dieser wiederum hat einen tollen Spielplatz, auf den das Kind sich zeitnah stürzte. Als Erziehungsberechtige/r geht man somit zum mehr oder minder meditativen Teil des Boo-Besuchs über — in der Sonne stehen, Kindergeschrei ausblenden und dem Nachwuchs verliebt beim Klettern, Schaukeln und Sand-Essen zuschauen. Oder auch nicht:

»Ramses, hör bitte auf den Joselin zu hauen. Nein, nicht hauen. Ich hab dir doch gesagt, dass du nicht hauen sollst. NICHT HAUEN!!! Siehst du, jetzt weint der Joselin und du bist schuld. Ramses, du bist böse. Du macht die Mama sehr traurig. Nachher gibt es keinen Pudding.«
Das ist eine mögliche Herangehensweise: das Kind, das ohnehin nicht zuhört, ordentlich zutexten (aber nicht eingreifen), dann die Psychoschiene fahren und zuguterletzt eine schwachsinnige Strafe verhängen, die weder temporal noch kausal mit dem eigentlichen Ereignis in Zusammenhang steht und im Grunde genommen der eigenen Unfähigkeit entspringt.

So ein Spielplatzbesuch (zu einer gut besuchten Tageszeit — etwas, das ich üblicherweise zu vermeiden versuche) ist nicht nur eine Parade der schrecklichsten Kindernamen, sondern auch eine grossartige Gelegenheit, eigenes Verhalten und das der anderen Eltern zu beobachten, zu überdenken, die eigene Schiene eventuell zu korrigieren. Ich bin beispielsweise davon überzeugt, dass bei spielenden Kindern Gesprochenes in etwa so ankommt, wie bei den kleinen Peanuts das Gelaber der Lehrerin — und dass Reden nur bedingt sinnvoll ist, vor allem in Gefahrensituationen und solchen, in denen die Emotionen ohnehin schon hochkochen. Kennt man das nicht von sich selbst?

»Nein, Mia-Jolina, nicht da hin laufen, du machst dich schmutzig. Ja, das ist das Klettergerüst, aber du bist zu schwer, ich kann dich da nicht hochheben, und wenn du alleine kletterst fällst du bestimmt runter und tust dir schrecklich weh. Nein Mia-Jolina, ein Eis gibt es jetzt nicht. Warum weinst du denn jetzt?! Wir fahren sofort nach Hause. Mit dir macht es überhaupt keinen Spass.«
Man hätte Mia-Jolina ja auch spielplatzkompatible Klamotten anziehen können. Und ihr ein bisschen was zutrauen. Wieso zieht man einem Kind seine besten Klamotten an, wenn man auf einen Spielplatz geht? Warum gibt es für kleine Kinder das Konzept beste Klamotten überhaupt? Was niedlich aussieht ist nie praktisch oder bequem, niemals, es ist immer mit Einschränkungen verbunden. Warum gehe ich mit meinem Kind auf einen Spielplatz, wenn es die Gerätschaften dort dann nicht benutzen darf? Natürlich kann ich meinem Kind verbieten, in der Wasserpfütze zu spielen — ich darf aber nicht überrascht sein, wenn es dann schreit, denn damit muss ich adäquat umgehen. Darüber sollte ich mir aber vorher klar sein. Und mir vorher überlegen, wie sinnvoll mein Verbot eigentlich ist. Und nicht einfach verbieten, einfach weil ich gross bin und das Kind klein — und Kleine zu tun haben was Grosse sagen.

Ich habe in den letzten Monaten die (schmerzliche) Erfahrung machen dürfen, dass ein überraschend hoher Prozentsatz kindlichen Unverhaltens elterlichem Fehlverhalten entspringt — Inkonsequenz, Trägheit, doppeldeutigen Botschaften. Dass es hart ist, sich das selbst einzugestehen und daran zu arbeiten. Es ist sogar schwierig, diesen Blogartikel zu schreiben, denn er soll nicht als Stimmungsmache aufgefasst werden oder gar als erhobener Zeigefinger — er soll lediglich meine Beobachtungen widerspiegeln. Diese Kinder, die ich da beobachte… Sie sind die Politiker, die Manager, die Chefs, die Erwachsenen von morgen.

Überhaupt, nicht selten kann ich die brüllenden und um sich schlagenden Kleinkinder ziemlich gut verstehen. Bin ich die einzige Mutter, die sich an ihre Kindheit erinnert? Wie doof es sich anfühlt, wenn man einfach nicht darf — und das nicht versteht2?

  1. Zoo
  2. Gerüchten zufolge ist es genau jene Empathie, die mir das Leben zeitweise so schwer macht.
Time Machine

15. February 2013
by localwurst
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Time Machine-Backup auf neue, grössere Platte umziehen

(Hint: Verwendetes System: MacOS X 10.8.2)

Meine Backup-Platte ist eine externe 2TB Western Digital, eine My Book (ich glaube »Essential«), jedenfalls: gute drei Jahre alt. Und das ist mir für eine Backup-Platte nun doch zu alt so langsam, weshalb ich mir eine mit 3TB angeschafft habe. Aber: meine Backups gehen zurück bis 2010, und die möchte ich nur ungern aufgeben. Es gilt also, den Datenbestand von der 2TB-Platte auf die 3TB-Platte zu ziehen, so dass Time Machine nahtlos da weitermachen kann, wo es aufgehört hat. Was simpel klingt, hat sich in der Praxis als gar nicht so einfach herausgestellt…

Ich habe diverse Anleitungen im Netz gefilzt, mir verschiedene Herangehensweisen überlegt. Unumstößlich sind wohl folgende Anforderungen:

  1. Time Machine muss abgeschaltet sein!
  2. Das Backup-Device muss »MacOS Extended (Journaled)« formatiert sein.
  3. Das Backup-Device muss über eine »GUID Partition Table« verfügen.
  4. Die Option »Eigentümer auf diesem Volume ignorieren« sollte nicht aktiviert sein.

Ab hier scheiden sich dann die Geister.
Noch kurz ein paar Eckdaten: beide Platten sind USB, und der iMac macht bekanntermassen kein USB-3.0… Das Gesamtvolumen beträgt 1,1TB, verteilt auf ~16.000.000 Dateien in ~2.350.000 Ordnern.

  1. Möglichkeit 1 wäre, (graphisch) den Backups.backupdb-Ordner von der einen (alten) Platte auf die andere (neue) zu ziehen. Spasseshalber (und weil ich da schon wusste, dass ich diesen Artikel schreiben würde) hab ich das mal angeschubst — wenngleich ich Apples Finder für derlei Aufgaben für völlig ungeeignet halte. Der neigt nämlich durchaus zum Abschmieren oder Einfrieren, und dann müsste wieder von vorne begonnen werden — was man sich bei diesen Datenmengen sicher nicht beliebig oft geben möchte. In der Tat begann Finder zu ermitteln, wieviele Dateien er da eigentlich verschieben soll, und nach etwa 4 Stunden hatte er die ersten 6 Millionen erkannt — also nicht einmal die Hälfte und noch nicht eine einzige kopiert ;)
  2. Der zweite Anlauf war rsync; die Idee dahinter war, dass der, falls er abbrechen sollte, zumindest nicht wieder von vorne anfangen muss. Der Aufruf sah auch die Beachtung von Hardlinks vor, unerläßlich in diesem Falle, aber rsync verlief sich vollkommen und geriet in eine Endlosschleife — ich hatte ihn über Nacht angeworfen, und am nächsten Vormittag behauptete er schon, > 87.000.000 Dateien übertragen zu wollen… nicht gut.
  3. Sonstwie kopieren (cp, cpio oder beliebiges anderes Tool) — habe ich nicht ausprobiert.

Disk Utility

Disk Utility

Im Endeffekt habe ich im Disk Utility im Reiter Restore als Source die (alte) Backup-Platte ausgewählt und als Destination die neue Platte, auf Restore geklickt und etwa 26 Stunden (!) gewartet. Ich hatte relativ oft gelesen, dass das nur bei exakt gleich grossen Platten funktionieren kann, aber ich kann vermelden: es ging auch mit einer grösseren Zielplatte. Nachdem der Vorgang beendet war, habe ich einmal reihum alle Devices ausgeworfen, dann lediglich die (neue) Backup-Platte wieder angeschlossen und in den TimeMachine-Einstellungen diese Platte als Backup-Volume angegeben.

Time Machine

Time Machine

Der erste Test war: kann ich die alten Backups noch sehen? Also Enter Time Machine — ja, da sind sie alle. Der zweite Test: kann ich von den Dateien auch etwas wieder herstellen? Ausprobiert und: ja, auch das funktioniert. Hernach stiess ich ich einen Backup-Zyklus an und überwachte: wieviel will er jetzt ins Backup stecken — eine sinnvolle Menge oder hunderte von GB? Aber es waren lediglich 280MB, überschaubar also.
Nachdem das Backup erfolgreich durchgelaufen war also der letzte Test: kann ich noch immer auf den alten Datenbestand zugreifen? Und auch das funktioniert. Zusammenfassend: ich habe den alten Backup-Bestand erfolgreich auf ein neues, grösseres Volume transportiert und Time Machine kann nach wie vor etwas damit anfangen. Puh!

Die alte Backup-Platte (2TB) kann nun für Spielereien und nicht wirklich wichtige Daten genutzt werden; die (ganz) alte-alte Backup-Platte (1TB) wird mit einem kompletten Mirror meiner Photos in einem anderen Haushalt untergebracht. Und weil ich nicht weiss, in welchem (physikalischen) Zustand die Platte jetzt bzw. in fünf Jahren sein wird, habe ich parallel dazu mit der Einrichtung von Amazon Glacier begonnen — denn schon bei dem blossen Gedanken, ich könnte auch nur eines meiner geliebten Photos verlieren, fallen mir vor Schreck Haare und Zähne aus. Zu der Amazon-Geschichte wird es dann demnächst und auf mehrere Bitten hin einen eigenen Artikel geben, aber das wird noch etwas dauern — ist alles nicht so trivial, aber die resultierende Sicherheit ist es mir absolut wert! :-)

15. February 2013
by localwurst
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Entwurzelt und verpflanzt

»Er liess die Schlüssel geistesabwesend in die Tasche gleiten und sah zu, wie die Möbelpacker Kisten, Schränke, Kommoden und all die anderen Dinge ins Haus trugen, die sich in den zehn Jahren ihrer Ehe angesammelt hatten. Sie so zu sehen, von ihren angestammten Plätzen entfernt, beraubte sie ihres Wertes. »Nur ein Haufen Gerümpel in Kartons« dachte er und empfand plötzlich Trauer und Niedergeschlagenheit — vermutlich das, was die Leute Heimweh nannten.« — Stephen King, Friedhof der Kuscheltiere

Ich habe 16 Jahre lang in diesem Haus gelebt, wenn auch nicht am Stück. Ich kenne all seine Gerüche — im Wohnraum, im Keller, im Garten, unterm Dach. Ich kenne seine Geräusche und weiss jedes Quietschen, Rumpeln, Ächzen und Stöhnen einzuordnen. Ich finde mich mühelos im Dunkeln zurecht, ich »sehe« dann sozusagen mit Ohren und Nase, ich muss mich nicht vorantasten. Ich kenne seine Macken, und ich weiss, was ich an ihm liebe.

Die Entscheidung, an anderer Stelle ein neues Leben anzufangen, kam nicht über Nacht; für mich war es ein langer Weg, ein umfangreicher Prozess. Die Suche nach einem geeigneten Haus gestaltete sich denn ja auch eher schwierig. Und als es dann tatsächlich ernst wurde, fühlte sich alles irgendwie unwirklich an.

Makler und Eigentümer, Finanzberater und Bankangestellte, Notar und Finanzamt. Unterschriften, viele Unterschriften, die wir leisten mussten. Und dann schlichen wir an einem regnerischen Abend im November nach Schlüsselübergabe mit den Verkäufern plötzlich durch unser Haus — und fühlten uns wie die Einbrecher.

Jeder rationale Gedanke spricht für diese Entscheidung. Und ich bin eigentlich auch stolz auf das, was wir hier haben. Ich sitze hier an meiner 25k-VDSL-Leitung (vorher hatten wir DSL-1500) und tippe diesen Artikel. Der Umzug war soweit organisiert und lief recht problemlos, und mit den Behördengängen sind wir fast durch… Glücklich sollte ich sein und erleichtert, froh und stolz und vielleicht ein bisschen faul.

Aber doch nicht traurig.

Aber es ist eine langjährige Beziehung, die ich aus rationalen Gründen beendet habe — und nun habe ich Liebeskummer. Ich bedaure. Ich vermisse. Ich weiss nicht, wie ich ohne. Ich weiss nicht, wie ich je wieder. Das volle Programm.

Bis Ende der Woche haben wir das alte Haus vollständig geräumt, und ich putze dann ein letztes Mal durch — das Wohnzimmer, in dem wir, vor dem Kamin liegend, Schach gespielt haben. Das Schlafzimmer, in dem ich mein Neugeborenes auf und ab schleppte. Die Küche, in dem das Baby mit Reiswaffeln und Leberwurstbroten um sich warf, und all die anderen Räume, die ich mit Erinnerungen und Geschichten verknüpfe, mit Gefühlen und Gedanken. Dann werden wir die Schlüssel übergeben. Und dann möchte ich weder das Haus noch den Ort je wiedersehen. Ich möchte nicht sehen, was die Nachbesitzer damit machen, oder ob es vielleicht sogar verfällt.

Und noch weniger möchte ich sehen, dass Fremde dort glücklich werden, wo ich so gerne glücklich gewesen wäre.

13. February 2013
by localwurst
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[Notiz] Default Konfiguration wiederherstellen

Üblicherweise kann man sich mit dpkg-reconfigure ja schon hin und wieder selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen, aber manchmal hat man einfach keine Chance… Bei mir war es ein völlig verbasteltes (Test-)System, auf dem andere (bereits gelöschte) Pakete die postfix-Konfiguration derart verbaut hatten, dass überhaupt nichts mehr fehlerfrei lief. Ich auf der anderen Seite wollte nicht viel Zeit investieren — die Standard-Paketkonfig hätte mir ja schon genügt… Und so habe ich sie (auf einem Ubuntu-12.04) wiederhergestellt:

  • Ich habe postfix beendet.
    # /etc/init.d/postfix stop
  • Ich habe den postfix-Konfig-Ordner umbenannt.
    # mv /etc/postfix /etc/postfix-WEG
  • Und dann die Konfiguration aus dem Paket neu erstellt.
    # dpkg -i --force-confmiss /var/cache/apt/archives/postfix_$VERSION.deb

Hat sich in diesem Fall ergeben, dass das Archiv noch an Ort und Stelle lag; ist das nicht der Fall, kann man es ja einfach rasch herunterladen. Der Aufruf jedenfalls erstellt ein ganz frisches /etc/postfix/ aus dem .deb heraus, und damit lässt sich dann wieder ganz prima arbeiten ;-)

Ganz dringend zocken...

2. February 2013
by localwurst
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Wurst mit Gesicht

Der/ die eine oder andere hat sich beschwert, dass es auf der Präsenz so arg still geworden ist. Und ja, ihr habt ja recht! Um mich ein ganz klein wenig zu rechtfertigen, beschreibe ich euch im folgenden einen beispielhaften Tagesablauf, wobei der noch eine harmlose Variante darstellt…

6:01 — Der Wecker klingelt. Das macht mir aber nicht so richtig viel aus, denn genaugenommen bin ich bereits seit 40 Minuten wach, auch wenn ich so tue, als schliefe ich noch. Grunzen unterm Deckenberg verrät, dass der Mann es genauso hält. Währenddessen hüpft das Rumpelstilzchen abwechselnd auf unseren Bäuchen herum, schmeisst methodisch alle Püppchen, Rassel-Schafe und mein iPhone aus dem Bett und zeigt mit ausgestrecktem Finger auf die Tür — aufstehen, und das gefälligst jetzt gleich! Schliesslich stößt es sich den Kopf und fängt an zu kreischen — leugnen hat keinen Zweck, ein neuer Tag hat begonnen.

Ganz dringend zocken...7:00 — Das Rumpelstilzchen sitzt in frischer Windel am Frühstückstisch und versucht, seine Finger in meinen Kaffee zu stopfen. Es gibt Leberwurstbrot, in schnäuzchengerechte Würfel geschnitten, die jedoch aufgrund des Belags auch prima an der Tischdecke, kleinen Daumen oder sonstwo kleben. Der Umweg über Brot wird ohnehin überbewertet, Leberwurst schmeckt auch so — denkt sich das Kind und schleckt an den künstlerisch gestalteten Brotquadraten. Im Grunde genommen will es ohnehin nur eines: von meinem Frühstück abbeissen, ganz egal, was ich da gerade esse. Während das Kind also mein Frühstück mampft, verhungere ich leise und erzähle zum hundertsten Male, dass das Männchen auf meiner Kaffeetasse »ganz dringend zocken muss, deshalb rennt es zum nächsten Automaten«. Pädagogisch nur bedingt wertvoll, rastet das Kind doch inzwischen bei jedem Notausgangsschild aus vor Freude…

9:00 — Zeit für Hausarbeit. Während das Kind begeistert durchs Wohnzimmer sabbert versuche ich, Wäsche zu falten. In der Praxis bedeutet das: ich lege ein gefaltetes Handtuch in den Wäschekorb, und das Kind greift es, faltet es auf, legt es neben sich und packt einen Bauklotz drauf.

10:00 — Das zweite Frühstück, da das Rumpelstilzchen dem Hungertod nahe ist; während ich es in der Illusion leben lasse, es könne alleine prima mit dem Löffel essen, mache ich die Küche sauber und versuche, den umfallenden Wasserbecher, der umherspritzenden Obstbrei und das kichernde Rumpelstilzchen gleichermassen zu ignorieren.

12:00 / Mittagspause — Das Kind schläft am besten ein, wenn man ihm tiefe, gleichmässige Atemzüge vorlebt. Die Sache hat jedoch einen Haken: bis das Kind schläft, schlafe ich auch. Wir geniessen also die gemeinsame Pause und tanken ein wenig auf.

Nachmittag — Einkaufen ist angesagt: Lebensmittel, Windeln und quadratische Wattestücke. Das Kind langweilt sich bereits 3 Sekunden, nachdem ich es in den Sitz des Einkaufswagens gepflanzt habe, und möchte auf den Arm. Ich lenke es ab, indem ich ihm eine Pappschachtel mit Backzubehör in die Hand drücke; wenig später hat die Schachtel ein Loch und das Kind ein mit Pappfetzen verschmiertes Mäulchen. Schliesslich hält es eine Packung mit Gesichterwurst in den Armen und streichelt sie selbstvergessen.

Es ist jedoch eine olfaktorische Zumutung und nicht zu leugnen: das Kind braucht eine frische Windel. Die Windeltasche steht nützlicherweise im Auto und das Auto meilenweit entfernt. Ganz schlau erinnere ich mich daran, dass der Drogeriemarkt einen Wickeltisch hat, also steuern wir den an. Dumm nur: von den Dimensionen her ist der eher auf Neugeborene ausgelegt, das Rumpelstilzchen ragt an allen Enden deutlich darüber hinaus und lacht sich kaputt — was jäh in wüstes Gebrüll umschlägt, als ich damit beginne, ihm die stinkenden Beinkleider vom Leib zu klauben.

Um sich zu beruhigen angelt sich das Kind alles, was es in den angrenzenden Regalen irgendwie erreichen kann; ich habe alle Hände voll zu tun es davon abzuhalten, in die volle Windel zu treten beziehungsweise sich deren Inhalt in die Haare zu schmieren, also habe ich auch keine Hand frei es davon abzuhalten, das wildbeerenfrische Duschgel-für-Kinder aufzubeissen… Bis ich dazu komme hat es einen kleinen Schluck genommen, und da es sich immer noch bühnenreif aufregt schäumt es nun nicht nur im übertragenen, sondern auch im ganz wörtlichen Sinne vor sich hin. Riecht aber sehr beerig dabei. Ich habe noch nie versucht, einem Kraken eine Strumpfhose anzuziehen, aber genau so muss es sich anfühlen — das Kind windet sich und tobt.

Abend — Ich habe mir irgendwas zu Futtern ausgedacht und zubereitet, alle haben gegessen und sind nun satt. Auf allen Vieren jage ich das Rumpelstilzchen durch die Bude, und schliesslich schleppt es sein Bilderbuch an, macht es sich auf meinem Schoss bequem und wir »lesen«. Ich bin müde. Das Kind ist quietschfidel.

Schliesslich schläft das Kind. Nachdem ich die Wohnung in einen einigermassen bewohnbaren Zustand versetzt und schnell noch die Waschmaschine angeschaltet habe, verschanze ich mich am Rechner und tue, was ein Sysadmin so tut. In der Regel komme ich so gegen 1:00 ins Bett; und dann beginnt auch schon der nächste Tag…

;-)

PS: So langsam läuft hier alles wieder in geregeltere Bahnen. Und ich kann euch versichern: so still wie in den vergangenen Monaten wird es hier nicht bleiben. Denn, wie ich in der Zeit meiner zwangsweisen Abstinenz feststellte: das Bloggen fehlt mir. Ihr fehlt mir. Und das hatte ich so eigentlich gar nicht erwartet <3 Ansonsten bin ich aber auch auf Twitter sehr aktiv, im Zweifelsfalle also einfach dort folgen — falls ihr das nicht ohnehin schon tut ;)

13. September 2012
by localwurst
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Prüfe, wer sich ewig bindet…

Hier nun das Kapitel »Prüfe, wer sich ewig bindet…« aus der Informationsbroschüre »Kamerad oder Spielzeug?«; jetzt fängt er an, Dichter und Denker zu zitieren, und der Text wird immer abgefahrener… Wie es dazu kam, könnt Ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Kein vernünftiger Mensch kauft eine Katze im Sack, d.h. unbesehen. So sagt man. So handelt man auch für gewöhnlich. Man prüft, ob’s keine Ramschware; ob’s keine Dutzendware ist. Ob die Sache auch das Geld wert ist. Und je wichtiger und wertvoller die Sache sein soll, um so größer ist die Sorgfalt, mit der man vorgeht.

Doch bei einer Angelegenheit läßt man die Katze nicht aus dem Sack, d.h. nimmt sie unbesehen. Ich hätte übrigens höflicher gesagt: Das Kätzchen. Denn ich fürchte, die »Katzen« könnten mir die Augen auskratzen, wenn sie meiner habhaft würden. Du hast wohl schon an der Überschrift gemerkt, welche Katze, hoppla Kätzchen, ich meine. Schiller spricht, was ich sagen will, feiner und gebildeter aus; ist schließlich aber dasselbe: »Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.« Sag mal: Wird diese so wichtige Angelegenheit nicht vielfach als eine Bagatelle behandelt? Sieht man nicht einzig und allein fast nur auf das Äußere. Zuviel auf äußeren Schein. Zuwenig auf inneres Sein. Aber wie schnell bekommt der äußere Firnis Brüche! Ich verrate dir kein Geheimnis, wenn ich sage, daß das weibliche Geschlecht mit den Jahren nicht schöner wird trotz aller Schönheitsmittel. Ach, wie bald schwindet Schönheit und Gestalt! Also wer darauf sein ganzes Glück gründet, ist recht bald enttäuscht. Dr. Sonnenschein erzählte einmal: Ein gefeierter Künstler heiratet eine bildschöne Frau. Nach einigen Jahren bekommt sie eine Krankheit. Was tut der Kerl? — Er läßt sich scheiden. Wie sollte er auch anders, da er doch die Schönheit geheiratet hat und nicht die Seele der Frau.

Wie? Kann man auch die Seele heiraten? Jawohl. Man muß sie sogar heiraten. Der Dichter Hebbel sagt: »Das heimliche Weh der Frau ist da, wo der Mann sie nicht seelisch besitzt.« Denn nur das Seelische hat auf die Dauer Bestand — im Guten wie im Bösen. Drüm prüfe, wer sich ewig bindet. Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang. Welche Eigenschaften muß denn das Mädchen haben, das eines echten Jungmannes wert ist?

Hör mal her. Wenn du mittags nach Hause kommst und es geht ans Futtern, beobachte deine Mutter einmal. Wie teilt sie z.B. das Fleisch? Zuerst für sich einen großen Happen, dann für den Vater, und dann für dich… hoho! Nein. Manchmal teilt sie sich tot. So macht’s eine Mutter. Ja, richtig! Das ist echt mütterlich. Das macht uns die Mutter so lieb, daß sie so wenig an sich denkt. Daß ihr das Wohl der Familie über alles geht. Daß sie verzichten, opfern, ertragen kann. Sieh, so soll doch auch mal die Mutter deiner Kinder sein. Aber meinst du, das lernte man im Handumdrehen. Wo’s nicht drinsteckt, da wird’s in der Ehe schwer hereinkommen. Also eine Naschkatze ist nichts für dich. Ich hätte bald gesagt, die bringt dich später auf den Hund. Denn du willst, wie jeder gute Vater, über dich selber hinausbauen. Du willst später deine Kinder weiterbringen. Meinst du, das hinge in der Hauptsache von dir ab? Du kennst doch das Wort: Der Mann kann es mit der Karre reinbringen, die Frau aber mit der Schürze wieder raustragen. Sie muss zusammenhalten können. Sie muß nicht alles haben wollen. In dem Sinne sagte ich dir schon mal: Das Glück in der Eh’ hängt ab vom Praliné.

Also eine, die sich Sonntags auf Kosten treibt, ist nicht die Deine. Eine, die am Flitterkram Geschmack und Gefallen hat, soll nie die Deine werden. Naschkatzen wie Modedämchen passen wenig zur Mutter deiner Kinder.

Doch muss ich euch Jungens auch die Leviten lesen. Die Mädchen sagen oft, die Jungen sind selbst schuld, wenn wir so sind — na, wie wir Mädchen heute einmal sind. Denn die einfachen, schlichten, biederen Mädchen, die mehr im Haushalt sind, als auf der Straße liegen, bleiben sitzen. Daß so manche, die zum Hausmütterchen geschaffen, Mauerblümchen bleibt, ist wirklich betrübend. Und manches Flatterding bekommt einen prächtigen Mann — und macht ihn oft unglücklich. Weil sie seelisch nichts zu geben hat. Siehe, diese Eigenschaft ist heute die notwendigste: dieses Verzichtenkönnen. Ich kenne einen Jungen, der sich mit seiner Braut so viel Geld gespart hatte, daß sie sich ein Häuschen bauen konnten, und jetzt, wo sie geheiratet sind, ist ihr Streben, die Schuld möglichst bald abzutragen. Also, Freund: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.

Das nächste Kapitel lautet:
Liebe macht blind?

6. September 2012
by localwurst
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Rechtsfreier Raum

Ihr meint, ich rede vom Internet? Nein. Heute möchte ich euch ein wenig davon erzählen, wie ich wohne. Also los.

Das Kaff, in dem ich wohne, ist winzig. Also nicht nur klein, sondern wirklich: winzig. Es ist so winzig, dass ich nicht nur innerhalb eines Tages alle relevanten Koordinaten mit dem Garmin ermitteln konnte, ich habe sie sogar am selben Tag mittels JOSM eingegeben, bearbeitet und an openstreetmap.org übermittelt. Und hatte dann immernoch locker Zeit zum Rauchen, Kaffeetrinken und Bloggen. Es ist nah an der französischen Grenze (~300m), es hat etwa 300 Einwohner, die Landwirtschaft ist rückläufig; zwei Drittel der Leute im Ort sind miteinander verwandt und tragen den selben Nachnamen, und der Dialekt wird mir auf ewig unverständlich bleiben — ein lothringisch-luxemburgisch-saarländisches Phantasiegebilde. Wenn ich es höre, nicke ich immer brav wie ein Hund auf der Hutablage und verstehe kein Wort.

Ich habe hier einige ruhige Jahre alleine gelebt, denn die Bevölkerung bestand, wie es in solcherlei Käffern ja öfter der Fall ist, vorwiegend aus älteren Leuten. Doch in den letzten Jahren geht der Trend in die andere Richtung: Grundstücke sind billig, und so zieht es immer mehr jüngere Leute bzw. Familien her. Und damit ging es dann los.

In unmittelbarer Nachbarschaft wird gerne gefeiert. Und auch oft. Und vor allem nie an Wochenenden: feiern kann man auch dienstags sehr prima. Und da wir ja auf dem Kaff sind, müssen wir uns an Ruhezeiten nicht halten. In der Praxis bedeutet das: die Party beginnt so gegen 19 Uhr, erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt gegen 23 Uhr, endet gegen 2 Uhr nachts mit dem Einsingen des gemeinsamen Lieblingsliedes (das wiederum variiert, letztes mal war es »Waka Waka«) und der Verabschiedung der Gäste. Die Gäste wiederum sind besonders freundliche Gäste, die sich mit fröhlichem, lautem Lachen auf der Strasse verabschieden, im Rudel die nächsten Termine vereinbaren und im Wegfahren noch ein paarmal kräftig auf die Autohupe drücken — ein Gruss für die Gastgeber.

Mir schwillt da der Kamm. Schon früher — und da musste ich morgens »nur« früh raus, um zur Arbeit zu fahren. Jetzt hängt da potentiell ein Rumpelstilzchen mit drin, das uns vom Zeitpunkt des Hupens an die Hölle heiss macht — alles schon passiert. Passieren kann das auch tagsüber, denn diese Ruhezeiten werden noch deutlich ausgiebiger ignoriert: der Nachbar hantiert so lange mit seiner Kettensäge, dass ich inzwischen davon ausgehen muss, dass er auch sein Geschirr mit der Kettensäge spült. Anders ist es nicht zu erklären, dass das Ding permanent läuft. Morgens um sieben. Abends um halb neun. Hat er genug Material zusammengesägt, rollt er seine Blechtonne vors Haus und beginnt damit, seine Abfälle zu verbrennen (was m.E. gar nicht erlaubt ist) — in erster Linie ein Happening, bei dem laut gelabert und viel getrunken wird (so bis gegen Mitternacht), aber halt auch eines, das mich aufgrund von Rauch und Gestank dazu zwingt, alle Fenster zu schliessen — egal bei welchem Klima.

Ein weiterer Nachbar macht mich des öfteren sprachlos: der rennt um kurz vor 12 Uhr schnell in seinen Schoppen, zerrt den altersschwachen Traktor hervor, stellt ihn mit laufendem Motor in den Hof — und rennt wieder rein. Vermutlich erstmal essen (»Um 12 gebt gess!«), dann etwas schlafen — und der Traktor tuckert und tuckert. Diesel ist ja nicht sooo billig. Manchmal riecht der Ort auch ein wenig nach Pommes-Frites-Bude.

Der Bursche in der Nachbarschaft malträtiert derweil sein Mofa. Täglich bockt er es vorm Haus auf, schraubt daran herum, setzt sich anschliessend den Helm so seltsam auf den Kopf — ihr wisst schon, so dass die Stirn vom Visier bedeckt wird, aber das Gesicht frei bleibt — und macht eine Probefahrt mit gesundheitsbedrohlicher Maximalgeschwindigkeit (etwa 15km/h). Diese Probefahrt endet in aller Regel nach etwa 200 Metern — und somit vor unserem offenen Schlafzimmerfenster. Dann versucht er, das Gefährt wieder anzutreten… der Motor spuckt… jault irgendwann auf… dann erstmal Vollgas, damit er auch an bleibt — ohrenzerfetzend. Manchmal sind sie zu zweit, und das Mofa des Kumpels klingt ebenso kaputt. Ich frage mich: was machen die da? Was? Auspuff absägen? Löcher reinbohren? Manchmal möchte ich beide an den Ohren in die Scheune zerren, auf die Honda zeigen und sagen »Das ist ein Motorrad, Jungs!«. Ich gönne jedem Menschen seinen Spass, solange er mir meinen Schlaf gönnt — und diese »Probefahrten« nachts um 12 sind mehr, als ich ertragen will.

Was fehlt? Achja, jedes Kaff hat natürlich seinen weithin bekannten Bewohner, so einen haben wir auch; nüchtern ist er im Prinzip nie, arbeiten geht er auch nicht, und das Haus, in dem er lebt, macht mir Angst. Strom und Wasser sind Gerüchten zufolge schon lange abgestellt, und diese These erhärtet sich dadurch, dass er sich (selten) am Dorfbrunnen wäscht und auch mal Kanaldeckel als Toilette benutzt. Seinen Brennholzvorrat und Werkzeugkasten stockt er in den Gärten der umliegenden Grundstücke auf, und ich bin froh, dass wir inzwischen einen ordentlichen Zaun haben — zu verschenken haben wir auch nichts, schon gar nicht auf die Art.

Fast harmlos sind da die Landmaschinen, die das Bild hier inzwischen beherrschen — das sind nichtmehr diese niedlichen Mini-Treckerchen, die in einer blauen Dunstwolke durch den Ort tuckern, sondern diese Hochhäuser auf Rädern, die einen auch mal auf der Autobahn überholen können; die donnern inzwischen zu jeder Tages- und Nachtzeit durch, schalten ihre Flutlichtanlagen ganz gerne auch innerorts nicht ab, und vor allem: sie bremsen nicht, sie jagen mit 80 Sachen den leeren Anhänger über jeden Kanaldeckel und durch jedes Schlagloch. Bei dem Geräusch bin ich schon mehr als einmal vor Schreck aufgesprungen.

Den niedlichen Mini-Trecker gibt es natürlich auch noch: der ist mit Blumengirlande geschmückt, und jedes Wochenende zieht er Kreise, im altersschwachen Anhänger zwei Kästen Bier, einen Ghettoblaster und die gesamte »Fammilisch«, die singt, mit Leergut schmeisst und dem stockenden Verkehr Grimassen schneidet. Ich vermute, die Leute sind neu zugezogen — solche Aktionen machen immer »die Neuen«. Man erkennt sie daran, dass sie alles hier toll finden.

Ich bin keine von ihnen.

30. August 2012
by localwurst
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[Klang&Audio] 30-Day Song Challenge: Tag 8

Fast in Vergessenheit geraten ist sie, die Song Challenge; aber da ich sie angefangen habe, möchte ich sie auch zu Ende bringen — beser spät als nie, wie man so schön sagt. Allerdings stellt sich mir die Aufgabe direkt wieder als schwer zu knackende Nuss dar: ein Titel, dessen Text ich Wort für Wort kenne?

Keine leichte Wahl, denn: ich bin ein Lyrics-Fetischist. Ich kann (bis auf recht wenige Ausnahmen) jeden Titel, den ich mag, mitsingen — Wort für Wort. Eine Ausnahme ist beispielsweise »End of the world« von R.E.M — da kenne ich zwar den Text, aber mein Atem-Management ist zu schlecht ;-)

Aber ich soll mir einen Titel rausgreifen, und weil ich heute deprimiert bin und alles irgendwie zum Kotzen finde: »Wie liegt die Stadt so wüst« von Rudolf Mauersberger. Wenn ihr reinhören wollt: wählt unbedingt eine gute Aufnahme, ich favorisiere ja die des Dresdner Kreuzchores, aber wer weiss, wie lange die in unserem Land verfügbar sein wird ;-)

Wie liegt die Stadt so wüst, die voll Volks war
Alle ihre Tore stehen öde
Wie liegen die Steine des Heiligtums
Vorn auf allen Gassen zerstreut
Er hat ein Feuer aus der Höhe in meine Gebeine gesandt
Und es lassen walten

Ist das die Stadt, von der man sagt
Sie sei die allerschönste, der sich das ganze Land freuet

Sie hätte nicht gedacht
Dass es ihr zuletzt so gehen würde
Sie ist ja zu greulich heruntergestoßen
Und hat dazu niemand, der sie tröstet

Darum ist unser Herz betrübt
Und unsere Augen sind finster geworden
Warum willst du unser so gar vergessen
Und uns lebenslang so gar verlassen

Bringe uns, Herr, wieder zu dir
Dass wir wieder heimkommen
Erneue unsre Tage wie vor alters
Herr, siehe an mein Elend!


Day 01 — Your favorite song
Day 02 — Your least favorite song
Day 03 — A song that makes you happy
Day 04 — A song that makes you sad
Day 05 — A song that reminds you of someone
Day 06 — A song that reminds of you of somewhere
Day 07 — A song that reminds you of a certain event
Day 08 — A song that you know all the words to
Day 09 — A song that you can dance to
Day 10 — A song that makes you fall asleep
Day 11 — A song from your favorite band
Day 12 — A song from a band you hate
Day 13 — A song that is a guilty pleasure
Day 14 — A song that no one would expect you to love
Day 15 — A song that describes you
Day 16 — A song that you used to love but now hate
Day 17 — A song that you hear often on the radio
Day 18 — A song that you wish you heard on the radio
Day 19 — A song from your favorite album
Day 20 — A song that you listen to when you’re angry
Day 21 — A song that you listen to when you’re happy
Day 22 — A song that you listen to when you’re sad
Day 23 — A song that you want to play at your wedding
Day 24 — A song that you want to play at your funeral
Day 25 — A song that makes you laugh
Day 26 — A song that you can play on an instrument
Day 27 — A song that you wish you could play
Day 28 — A song that makes you feel guilty
Day 29 — A song from your childhood
Day 30 — Your favorite song at this time last year

Marmoria

22. August 2012
by localwurst
7 Comments

[News] Und bald ist Weihnachten…

MarmoriaIch hasse den Kinderarzt, die Hebamme, alle — alle, deren Hilfe wir gesucht haben, diese Fachleute, die nicht erkannt haben — sie hätten uns so viel ersparen können. +++ Habe meine Vorliebe zu »Café Del Mar«-lastiger Musik wiederentdeckt. +++ »Rockets« von Moby macht mich aber immer irgendwie melancholisch. +++ Twitter ist total lustig, meine TL ist ein Knaller, und meine Favoritenliste bringt mich immer zum Kichern — egal, wie scheisse es mir gerade geht. Wirklich. Schaut mal rein. +++ Ich habe endlich meinen Kindle. Und ich bedauere sehr, ihn nicht schon bedeutend eher angeschafft zu haben. +++ Ich glaube, nein, ich weiss: ich habe mich sehr verändert. +++ Ich habe eine phantastische Seife gesiedet, mit Mangobutter, Macadamianussöl und einem Duft nach Erdbeeren mit Champagner; ich nenne sie »Marmoria«. Sie ging so heftig in die Gelphase, dass sie in ihrer Form quasi kochte und für gute 12 weitere Stunden ziemlich heiss war — ich muss das Howto bei Gelegenheit doch mal online stellen. +++ »I’ve got that summertime, summertime sadness« +++ Man schenkt mir derzeit öfter mal einen Bauklotz, und ich werde mit Krümeln gefüttert. +++ Der Spritpreis ist bei 1,75EUR, der Liter Heizöl kostet 0,95EUR. Wahnsinn. +++ Ich hätte mal wieder Lust auf ein Photo-Shooting. +++ Der Hype um diese rosafarbenen Überraschungseier geht mir auf den Keks; wem’s nicht gefällt, der soll’s einfach nicht kaufen! +++ Abends sieht mein Wohnzimmer aus wie das Småland. +++ Totaler Lachflash meinerseits: man singt meinem Kind ein Lied mit dem aussagekräftigen Text »Arrramsamsam arrramsamsam gulli-gulli-gulli-gulli-gulli ramsamsam« vor, und seine einzige Reaktion ist a) eine versteinerte Miene, b) eine gerunzelte Stirn, c) ein deutlich sichtbares Fragezeichen im Gesicht und schlussendlich d) eine gezuckte Schulter mit dem Kommentar »Hm!«. +++ Ich habe die Tage tatsächlich anhand meines Geburtsjahres (das zumindest musste ich nicht im Ausweis nachschlagen) nachgerechnet, wie alt ich bin. Armselig, oder? +++ Und spätestens in vier Wochen wird es schon wieder Lebkuchen und Dominosteine zu kaufen geben… *kotz*

11. August 2012
by localwurst
0 comments

Konfigurationspakete

Mein Anspruch war nicht so arg hoch: ich wollte mir Debian-Pakete bauen, sie zu einem Dienst — beispielsweise LDAP — die benötigten Konfigurationsdateien in ein System installieren; und zwar installieren, nicht modifizieren. Gar nicht so einfach, denn ich fand wenig Information dazu! Deshalb notiere ich mir nachfolgend auf, wie ich es letztendlich gelöst habe — in ein paar Monaten weiss ich das aus dem Stehgreif ganz sicher nicht mehr ;-)

Die Vorgehensweise soll hierbei sein:

  • Eventuelle Abhängigkeiten werden angegeben und mitinstalliert.
  • Die Konfiguration wird nach /etc/localwurst geschrieben.
  • Die originale Konfiguration wird mittels dpkg-divert gesichert.
  • Die localwurst-Konfiguration wird eingebunden, indem Symlinks gesetzt werden.
  • Falls benötigt wird der entsprechende Dienst neu gestartet.

Abhängigkeiten installieren

Es wird das Paket equivs benötigt.

apt-get install equivs

Das Template anpassen

Nun ist absehbar, dass ich mehr als ein Paket bauen möchte; also ist es sinnvoll, manche Default-Werte direkt anzupassen, das erspart mir viel Tipperei. Ich sichere mir also das ursprüngliche Template und bearbeite eine Kopie:

echo 5 > /usr/share/equivs/template/debian/compat
cp /usr/share/equivs/template.ctl /usr/share/equivs/template.ctl-ORIG
vim /usr/share/equivs/template.ctl
### Commented entries have reasonable defaults.
### Uncomment to edit them.
Section: misc
Priority: optional
Homepage: http://tagebuch.localwurst.de/
Standards-Version: 3.6.2
 
Package: localwurst-...
Version: 0.1
Maintainer: Local Wurst <pelle@localwurst.de>
# Pre-Depends: <comma-separated list of packages>
Depends: paket1, paket2
# Recommends: <comma-separated list of packages>
# Suggests: <comma-separated list of packages>
# Provides: <comma-separated list of packages>
# Replaces: <comma-separated list of packages>
Architecture: all
# Copyright: <copyright file; defaults to GPL2>
Changelog: /root/build/changelog/localwurst-...
# Readme: <README.Debian file; defaults to a generic one>
# Files: <pair of space-separated paths; First is file to include, second is destination>
#  <more pairs, if there's more than one file to include. Notice the starting space>
Extra-Files: /root/build/config/localwurst-.../localwurst-....tar.gz
Description: localwurst default configuration for ...
This package extends the system with the default localwurst ... configuration. 
 .
 <pelle@localwurst.de>

Die drei Punkte bei localwurst-... sind Platzhalter; sie sollen verdeutlichen, dass sich der Name der Pakete immer aus localwurst- und einem sprechenden Anhang zusammensetzt — auch, um Überschneidungen zu vermeiden.

Arbeitsverzeichnis erstellen

Ich möchte im Verzeichnis /root/build arbeiten, also muss ich das zuerst noch erstellen:

# mkdir /root/build

Das Paket anlegen am Beispiel localwurst-ldap

Im Arbeitsverzeichnis wird nun das Paket angelegt:

cd /root/build
equivs-control localwurst-ldap

Dann wird das Archiv mit den Konfigurationsdateien erstellt.
Das Paket wird Konfigurationsdateien ins System einspielen; diese Dateien müssen dem Paket in Form eines Archivs mitgegeben werden.
Zuerst also wird das Verzeichnis erstellt, in dem die Konfigurationsdateien liegen:

mkdir -p /root/build/config/localwurst-ldap/etc/localwurst/ldap

Nun werden die Konfigurationsdateien an Ort und Stelle kopiert.

cp /etc/nsswitch.conf /root/build/config/localwurst-ldap/etc/localwurst/
cp /etc/ldap.conf /root/build/config/localwurst-ldap/etc/localwurst/
mkdir /root/build/config/localwurst-ldap/etc/localwurst/ssl
cp /etc/ssl/dfn.crt /root/build/config/localwurst-ldap/etc/localwurst/ssl
cp /etc/ldap/ldap.conf /root/build/config/localwurst-ldap/etc/localwurst/ldap

Wie man an diesem Beispiel erkennt gibt es einen Unterschied:

  • einige der Dateien (Bsp. nsswitch.conf) liegen in /etc und
  • einige Dateien (Bsp. ldap.conf) liegen in /etc/ldap bzw. /etc/ssl (das Zertifikat)

Nun muss aus den Dateien noch das Archiv erstellt werden -- das Archiv, das im Konfig-File Archiv unter dem Punkt Extra-Files: eingebunden wird!

cd /root/build/config/localwurst-ldap
tar cvfz localwurst-ldap.tar.gz etc/

Installationsroutine erstellen

Hierzu ist die Datei /root/build/localwurst-ldap zu bearbeiten.

Section: misc
Priority: optional
Homepage: http://tagebuch.localwurst.de/
Standards-Version: 3.6.2
 
Package: localwurst-ldap
Version: 0.1
Maintainer: Local Wurst <pelle@localwurst.de>
Depends: libnss-ldap,
 nscd,
 ldap-auth-client,
 ldap-auth-config,
 ldap-utils,
 libpam-ldap,
 finger
Architecture: all
Changelog: /root/build/changelog/localwurst-ldap
Extra-Files: /root/build/config/localwurst-ldap/localwurst-ldap.tar.gz
File: postinst
 # Die Routine prüft ab, welche Konfigurationsdateien im Archiv vorhanden sind und
 # führt die Schritte für jedes einzelne davon aus. Das Paket installiert die Dateien
 # nach /etc/localwurst, bearbeitet die Originale mit dpkg-divert und setzt Symlinks.
 # Im Anschluss daran wird der nscd restartet - spezifisch eine LDAP-Sache.
 #!/bin/sh -e
 .
 set -e
 .
 PKG="localwurst-ldap"
 .
     if [ "$1" = configure ] ; then
 .
     tar xzfo /usr/share/doc/"$PKG"/"$PKG".tar.gz -C / 2>&1 > /dev/null
     tar tzf /usr/share/doc/"$PKG"/"$PKG".tar.gz -C / > .tmp
 .
     while IFS= read -r i 
     do
        if [ ! -d /$i ] ; then
          FILE=`basename $i` 
          CONFFILE="/`echo $i | sed -e 's/localwurst\///'`"
          dpkg-divert --add --package "$PKG" --divert $CONFFILE-orig --rename $CONFFILE
          [ ! -e $CONFFILE -o -L $CONFFILE ] && ln -sf /$i $CONFFILE
	fi
     done<".tmp"
 .
     fi 
 .
 #DEBHELPER#
 .
     /etc/init.d/nscd restart
     exit 0
File: prerm
 #!/bin/sh -e
 .
 set -e
 .
 PKG="localwurst-ldap"
 BASE="/etc/localwurst/ldap"
 .
  if [ "$1" = remove -o "$1" = purge ] ; then
 .
    tar tzfo /usr/share/doc/"$PKG"/"$PKG".tar.gz > .tmp
 .
   while IFS= read -r i     
    do
      if [ ! -d /$i ] ; then
        FILE=`basename $i`
        CONFFILE="/`echo $i | sed -e 's/localwurst\///'`"
        [ -L $CONFFILE ] && rm $CONFFILE
        dpkg-divert --remove --package "$PKG" --rename --divert $CONFFILE-orig $CONFFILE
      fi
     done<".tmp"
 .
 fi
 .
 rm -rf $BASE
 .
    #DEBHELPER#
 .
    exit 0
 Description: localwurst default LDAP configuration
  This package extends the system with the default localwurst LDAP configuration. 
  .
  <pelle@localwurst.de>

Changelog bauen

Das Changelog-File muss da liegen, wo man es im Konfig-File definiert hat; in diesem Fall ist das /root/build/changelog/localwurst-ldap:

localwurst-ldap (0.1) lucid; urgency=low
 
  * First version of package 
  * Added nsswitch.conf, dfn.crt, ldap.conf
 
 -- Local Wurst <pelle@localwurst.de>  Fri, 08 Jun 2012 18:34:21 -0200

Wichtig ist das Format des Changelog-Files: das muss immer streng eingehalten werden.

Das Paket bauen

Um das Paket final zu bauen, muss lediglich equivs-build gefolgt vom Paketnamen aufgerufen werden; der Rest passiert automatisch:

cd /root/build
equivs-build localwurst-ldap
dh_testdir
dh_testroot
dh_clean -k
dh_testdir
dh_testroot
dh_install
dh_installdocs
dh_installchangelogs
dh_compress
dh_fixperms
dh_installdeb
dh_gencontrol
dh_md5sums
dh_builddeb
dpkg-deb: building package `localwurst-ldap' in `../localwurst-ldap_0.1_all.deb'.
 
The package has been created.
Attention, the package has been created in the current directory,
not in ".." as indicated by the message above!

Der Vorgang ergibt also das File /root/build/localwurst-ldap_0.1_all.deb -- die Nummer ist natürlich von der Versionsnummer abhängig.

Hat man einen Webserver entsprechend konfiguriert, kann man das Paket nun auf diesen Server werfen und in den Index aufnehmen:

cd /path/to/debpackages
apt-ftparchive packages . > Packages
gzip -9 Packages
apt-ftparchive release . > Release

Das lässt sich ganz prima scripten, cron-jobben oder was auch immer. Sinnvollerweise signiert man seinen Kram dann auch noch, darauf gehe ich hier mal aber nicht näher ein...

Auf den Hosts muss dann der Server in /etc/apt/sources.list eingetragen werden, beispielsweise in der Form:

deb https://yourpackages.example.com/debpackages ./

Und dann kann auf einem Host auch schon das Paket installiert werden:

apt-get update
apt-cache search ldap
localwurst-ldap - localwurst default configutation for ldap
apt-get install localwurst-ldap
dpkg --list|grep ldap
...
ii  localwurst-ldap             0.1              localwurst default LDAP configuration
...

Und das war's :-)

Ein Wort zum Schluss

Wie sicherlich ersichtlich wurde: eine allgemeingültige Anleitung zum Bauen der Konfigurationspakete kann und wird es nicht geben - zu unterschiedlich sind denn doch die Anforderungen. Während ein Dienst seine Konfiguration in /etc ablegt, packt ein anderer sie in einen Unterordner (Bsp. /etc/nullmailer), und wieder andere tun sowohl das eine als auch das andere (Bsp. LDAP mit /etc/ldap.conf und /etc/ldap/ldap.conf) - da bleibt nichts anderes, als die Pakete entsprechend zuzuschneiden und vor dem Einsatz sorgfältigst zu testen.

Und dieser Weg ist natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss; es gibt sicherlich elegantere Methoden, insbesondere das mit dem .tmp-File gewinnt sicher keine Preise -- aber für den Moment funktioniert es und tut exakt das, was es soll. Die grosse Feile kann immer noch angesetzt werden -- das ist ja das Schöne ;-)

Und jetzt: viel Spass beim Hacken da draussen!