Herzlichen Glückwunsch

Es ruckelt stärker, und ich starre auf das grüne Tuch vor meinem Gesicht. »Das Kind wird jetzt entwickelt« erklärt mir eine Frau in Grün, und in Laiensprache übersetzt heisst das wohl soviel wie: jetzt reissen sie es endgültig aus mir heraus. Eilig wird es zu dem vor der Tür wartenden Team aus Hebammen und Kinderärzten gebracht, es schreit nicht. »Herzlichen Glückwunsch« sagt die Frau in Grün, und ich starre sie verständnislos an. Glückwunsch wozu? Ich schliesse die Augen.

Mein Kind kam in der 32. Schwangerschaftswoche (31+5) zur Welt, und mit »freudigem Ereignis« hat das für mich so gar nichts zu tun. Es war eine Operation, keine Geburt, ich hatte kein Kind zur Welt gebracht — ich war ja allein auf dem Zimmer, und auch als man mir später einen vollverkabelten Minimenschen in einem Inkubator zeigte wich das Gefühl der Leere nicht. Herzlichen Glückwunsch also wozu? Dass ich es nicht geschafft hatte, das Kind noch etwas länger im Bauch zu behalten? Dass es nun in einem Plastikkasten liegen muss, die Händchen blau von den vielen Versuchen, die Infusionsnadel richtig zu legen? Dass es mit seinen winzigen Äuglein in grelles Licht starren muss, dass es Hektik und Lärm und Alarmsignale der Intensivstation ertragen muss? Dass es völlig wehrlos alles erdulden muss, was mit ihm angestellt wird, und ich kann es nicht davor bewahren? Viel zu früh hatte ich es ins Leben hinausgeschubst, und ohne Ärzte und Pflegepersonal, ohne Medikamente und technisches Gerät war es doch kaum lebensfähig.

War die Schuld bis dahin nur ein Gefühl gewesen, so nahm sie mit dem ersten Blick in den Inkubator Gestalt an. Wie soll ich keine Schuld verspüren beim Anblick dieser 41cm Mensch, verpflastert, mit Einstichstellen und blauen Flecken, nackt bis auf eine viel zu grosse Windel, die winzigen Zehen, das hektisch schlagende Herz? »Es tut mir leid« war alles, was ich immer wieder flüstern konnte, während ich die winzigen Haare auf dem winzigen Köpfchen streichelte. Erst habe ich dich nicht halten können, ich habe dich nicht wirklich begrüsst und dich im weiteren Verlauf nicht beschützen können — oft musste ich dich ganz verlassen. Dazu kommt mein eigener Schmerz, körperlicher Schmerz, der von der Operation und der Lagerung herrührt, aber schlimmer noch meine Trauer — darüber, wie alles gekommen ist, dass mein Bauch plötzlich leer und keine Bewegungen mehr spürbar sind. Ich weiss nicht, ob ich darüber je hinweg kommen werde, aber es erscheint mir auch unwichtig im Hinblick darauf, wie die Kleine das wohl meistern wird.

Theoretisch wäre ich heute 33+1. Sie liegt nicht mehr auf der Intensivstation, ich darf mir sogar ein Zimmer mit ihr teilen. Nach dem Füttern kuscheln wir uns aneinander, und manchmal schlafen wir dann beide. Sie ist so tapfer, dass ich mir ein Beispiel daran nehmen sollte. Ich hingegen möchte — ausser Mann und Rumpelstilzchen — niemanden sehen und hören; ich bin schnell gestresst und überfordert, und ich ertrage es nicht, wenn an dem Baby, dass eigentlich noch in meinem Bauch sein sollte, herumgefummelt oder es auch nur angestarrt wird. Mir ist auch nicht nach Reden — vielleicht, weil sowieso niemand zuhört, weil alle Freude erwarten. Schreiben tut gut. Und so sitze ich mit dem Laptop auf meinem gefühllosen und leeren Bauch, tippe und schaue immer wieder auf das schlafende Engelsgesicht im Wärmebettchen.

Heute bist du zehn Tage alt. Herzlichen Glückwunsch.

»Du bist schwanger, nicht krank« — Jahresrückblick 2013

So turbulent das Jahr für mich war, so still ist es auf dem Blog geworden. Tatsächlich dachte ich auch immer mal wieder darüber nach, ihn schlicht und ergreifend vom Netz zu nehmen — aber ich hänge halt daran. Ist ja auch ein bisschen wie ein Kind für mich.

Einer der Höhepunkte des Jahres war ganz sicher der Umzug ins Eigenheim. Ein unvergleichliches Gefühl! Es fiel mir nicht leicht, doch die Vorteile überwiegen deutlich. Das Haus ist aber auch bildschön! Naja. Zumindest, wenn es mal fertig ist. Derzeit ist es denn doch eher eine grosse Baustelle.

Was folgte: der Alltag. Wir richteten uns ein, lernten die Umgebung kennen. Das Rumpelstilzchen wechselte vom Krabbeln zum Laufen, wechselte seine Schlaf- und Essgewohnheiten, und wir fuhren zur Arbeit, zum Einkaufen, ins Schwimmbad oder in den Zoo. Die Baustelle nahm Gestalt an: so rissen wir in einer Wochenendaktion das 60er-Jahre-Badezimmer nebst Trennwand und Bodenbelag heraus, rupften über mehrere Wochen in mehreren Zimmern mehrere Schichten unglaublicher Tapeten von den Wänden, entfernten unglaubliche Mengen an Wand- und Deckenpaneelen, zogen Wandschlitze und verlegten Leerrohre nebst neuer Elektrik, Netzwerk- und Satellitenkabel… um dann Unmengen an Gips anzurühren und die mühselig geklopften Schlitze wieder zuzuschmieren. In einer besonders widerlichen Aktion rückten wir dann dem Dachgeschoss zu Leibe — denn hier sollten nicht nur Tapeten und Bodenbeläge, sondern im Prinzip alles weichen.

Der nächste Meilenstein: das neue Dach. Neuer Dachstuhl, drei von vier Kaminen sollten sozusagen »fallen« und der vierte saniert werden, alles mit Dämmung, neuer Eindeckung… Den Beginn der Arbeiten erlebte ich dann schon nur noch remote, da ich am Vorabend mit Sturzblutungen in der Klinik landete.

Das war im August. Und ich ahnte da nicht, was mir noch bevorstand (so wie ich jetzt nicht absehen kann, was da wohl noch kommen wird). Die Schwangerschaft war bestätigt, ich hielt meinen Mutterpass in den Händen, doch der Eintrag abortus imminens stimmte nicht froh. Zwar wurde ich nach einigen Tagen Klinikaufenthalt entlassen, jedoch mit der Auflage strenger Bettruhe, mit starken Unterbauchschmerzen und fortgesetzten Schwierigkeiten. Die Karten fürs Ärzte-Konzert verkaufte ich schweren Herzens.

Der nächste Klinikaufenthalt war länger, schmerzhafter — und deutlich ernsthafter. Ein Blasenriss, wie sie sagten, in der 20. Schwangerschaftswoche — viel zu früh, als dass das Baby eine Chance gehabt hätte, strengste Bettruhe, Antibiose, Magnesiumtropf. Kanülen in beiden Armen »wenn wir heute Nacht noch operieren müssen«, Einzelzimmer — aus Gründen. Degenerierte Muskeln durch das ständige Liegen, Kopfschmerzen durch das ständige Weinen, Verzweiflung durch die ständige Trennung vom Rumpelstilzchen, Venenentzündungen durch den Magnesiumtropf. Wider jede Wahrscheinlichkeit verschloss sich jedoch das Leck der Fruchtblase, das Fruchtwasser füllte sich auf und ich konnte entlassen werden.

Inzwischen hatte die Krankenkasse mir eine Haushaltshilfe bewilligt; das vereinfachte vieles, verkomplizierte dafür anderes. Ständig fremde Leute in der Bude ertragen zu müssen ist hart — zumal dann, wenn sie einem in die Haushaltsführung reinquatschen und ihre eigene Ordnung etablieren. Nach und nach liegen meine Nerven immer blanker, ich bin gereizt und genervt. Doch zumindest erhalte ich die Freigabe, mich wieder mehr bewegen zu dürfen, bisschen rumlaufen — ich geniesse es, wieder richtig mit dem Rumpelstilzchen zu spielen. Doch dann bricht sich das Rumpelstilzchen das linke Bein, wird bis zur Hüfte eingegipst und darf nicht mehr laufen, während ich nicht heben darf — eine Katastrophe. Nach einer Woche wird neu gegipst (glücklicherweise nur noch bis unters Knie) und der verschobene Bruch dabei gerichtet — zwei Tage später liegt das Kind mit fast 41°C Fieber in meinen Armen, apathisch und erbrechend. Zum Gipsbein kommen nun unzählige Medikamente hinzu, und es ist gar nicht so leicht, ein krankes, gipsbeiniges zweijähriges Kind bei Laune zu halten, wenn man selbst nicht auf der Höhe ist und permanent weinen möchte.

Als die Infektion überstanden ist, kommt prompt eine Bronchitis, und wieder fiebert das Kind bis fast 41°C. Nur sind die Eltern diesmal gleichermassen angeschlagen, und jeder bekommt sein eigenes Antibiotikum. Nicht schön. Das Kind behält den Gips ganze fünf Wochen, und die Mama schafft es in 30 Wochen Schwangerschaft etwa fünf Wochen blutungsfrei zu sein. Schmerzfrei eigentlich nie. So traurig. Sogar meine erste eigene Fotoausstellung gerät ins Hintertreffen — obgleich ich doch so stolz bin!

Zum Jahreswechsel sind Mutter-Vater-Kind gleichermassen angeschlagen. Körperlich, aber auch vom Kopf her — ein wirklich ungewöhnlich anstrengendes und forderndes Jahr. Viel Zuspruch, viele mutmachende Nachrichten erhalte ich tatsächlich über Twitter. Im echten Leben werde ich, nachdem mir ein Beschäftigungsverbot erteilt wurde, sehr einsam. Mein Leben findet überwiegend auf der Couch und im Sessel statt, während sich für alle anderen die Welt weiterdreht — eine logische und traurige Erkenntnis.

Und der Ausblick auf 2014? Das »Erdnuss-Kind« ist den Gips los, läuft aber recht steifbeinig und wird unter Umständen Krankengymnastik benötigen. Und ausserdem ein Kindergartenkind werden. Das »Erdbeer-Baby« wird zur Welt kommen — ob termingerecht oder verfrüht ist noch nicht recht absehbar. Die (umständehalber) brachliegende Baustelle muss wiederbelebt werden. Und idealerweise sollte sich das Leben wieder normalisieren.

Rutscht gut, wo immer ihr auch rutscht! Ich wünsche euch ein wundervolles 2014. Und uns auch!

Fotoausstellung »Von der Vergänglichkeit«, 13. Oktober 2013

Von der Vergänglichkeit
Fotoausstellung »Von der Vergänglichkeit« mit Pascal Dihé und meiner Wenigkeit im Feinmechanischen Museum Fellenbergmühle in Merzig.

Unbewohnbar. Einsturzgefährdet. Abrissreif. Der morbide Charme unrettbar verlorener Orte. Ungewöhnliche Momentaufnahmen jahrzehntelangen Leerstands im Saarland, Luxemburg und Lothringen.

Vernissage: Sonntag, 13. Oktober 2013 15:00 Uhr
Ausstellungsort: Feinmechanisches Museum Fellenbergmühle
Adresse: Marienstraße 34, 66663 Merzig
Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag von 14.30 Uhr bis 17.00 h
Dauer der Ausstellung: 13.10.2013 – 15.12.2013
Weitere Informationen: Flyer zur Ausstellung (621 KB)

Ihr seid alle herzlich eingeladen! ;)

Randnotizen zu exim4

Ich habe mal wieder einen Entwurf aus dem Ordner gefischt… Da ich mir das irgendwie alles nicht so recht merken kann, trage ich mal kurz zusammen, was ich für den täglichen Umgang mit exim4 so brauche; für den einen oder anderen von Euch düfte das ebenfalls interessant sein.

Mailqueue anzeigen:
$ mailq ist nur ein Symlink auf exim4 und ergibt das selbe Resultat wie der folgende Aufruf:
$ exim4 -bp

Mailqueue in Form einer wunderhübschen Tabelle:
$ mailq | exiqsumm

Anzahl der Mails in der Mailqueue:
$ exim4 -bpc

So läßt sich herausfinden, weshalb eine bestimmte Mail nicht verschickt werden konnte:
$ exim4 -v -M $MESSAGE_ID

Queue abarbeiten und Mails versenden, sofern möglich…
$ exim4 -q

… oder aber verbose:
$ exim4 -qff -v

»frozen mail« verschicken:
$ exim4 -Mt $MESSAGE_ID

Eine einzelne Mail aus der Queue löschen:
$ exim4 -Mrm $MESSAGE_ID

Twitterstöckchen… Hinter den Kulissen der @localwurst

Das ist mir tatsächlich schon lange nicht mehr passiert: ich wurde mit einem Stöckchen beworfen. Von der @terrorzicke! Und da sehe ich mich nun natürlich im Zugzwang, das einerseits pflichgetreu zu beantworten und es andererseits weiterzuwerfen…

1.) Wer bist Du auf Twitter? Seit wann bist Du auf Twitter? Nutzt Du Twitter vorwiegend privat und/ oder beruflich?

Screen Shot 2013-06-20 at 3.14.59 PMIch bin auf Twitter, wie eigentlich überall, die @localwurst — es hat definitiv Vorteile, einen so bekloppten Nicknamen zu haben, denn der ist in der Regel überall frei ;) Registriert hatte ich den schon 2008, als der Hype ziemlich frisch war, doch ich fühlte mich wie auf einer grossen Party, bei der ich irgendwie ausgeschlossen bin — hier und da rief ich mal was in den Raum hinein und erhielt keine Antwort, also ging ich wieder.

Ich weiss nicht mehr, welchem Impuls es zu verdanken ist, dass ich mich späterhin eingehender mit dem Thema beschäftigte. Aber von da an nutzte ich den Account auf regelmässiger Basis, und es gefiel mir immer besser. Später kam dann noch der Account @UrbExEu hinzu, der umständehalber jedoch etwas brach liegt.

2.) Zu welchen Themen veröffentlichst Du Deine Tweets?

Zu dem, was mir just in diesem Moment durch den Kopf schwirrt. Ich bin Admin, beruflich, privat und aus Überzeugung. Insofern ist ein Teil meiner Tweets sicher recht techniklastig, zumal Twitter nebenher immer mitläuft, wenn ich am Rechner arbeite. Aber ich bin halt nicht nur Admin, ich bin auch Mama, Frau, ich renoviere und fotografiere und koche und backe und grüble und handarbeite und… Ein buntes Gemisch also. Wie ich.

3.) Wie viel Zeit pro Woche nimmst Du Dir für Twitter?

Das kann ich so konkret gar nicht sagen; ich fürchte, es kommt einiges zusammen. Der Desktop-Client ist halt einfach an, wenn ich am Rechner sitze, und das iPhone ist in der Tasche, wenn ich unterwegs bin…

4.) Auf welchen weiteren Social Media-Kanälen bist Du aktiv?

Ich habe das Tagebuch, ganz klar. Ich habe einen Facebook-Account, den ich in Firmendingen benötige, auf dem ich allerdings nur rumheule, wenn Twitter down ist. Ich habe auch einen G+-Account, mit dem ich nicht richtig warm werde und der meist nur vor sich hin vegetiert. Achja, und für die Headhunter habe ich Xing.

5.) Welche Position nimmt Twitter für Deine Kommunikation in all Deinen Social Media-Kanälen ein?

Definitiv die erste — hier habe ich die meisten Kontakte, die höchste Reichweite, den meisten Spass.

6.) Organisierst Du Tweetups bzw. nimmst Du daran teil?

Nein, wo bei ich manchmal denke, dass ich da durchaus was verpasse. Allerdings habe ich mit einigen Twitterern durchaus Real-Life-Kontakt, und das ist was Tolles <3

7.) Wofür verwendest Du Twitter vorwiegend?

Das kann ich so pauschal nicht sagen; zu manchen Gelegenheiten schlicht zum Dampf ablassen #nerv #seufz. Als Informationsquelle #followerpower. Zum Promoten neuer Blogartikel #blog #localwurst. Und so weiter. Ich kann und will mich da gar nicht festlegen.

8.) Welche Gesamtnote von 1 bis 6 würdest Du Twitter geben und wieso?

Twitter nervt manchmal, und es gibt durchaus Hashtags, die ich auf stumm schalte — immer wieder. Spontan fallen wir da #tatort und #wettendas ein (wie auch viele viele weitere Fernsehsendungen). Es gibt Leute, die ich entfolge — aus Gründen. Ein bisschen wie im echten Leben, nur mit mehr Möglichkeiten.

Es gibt vieles, was ich nicht so ganz verstehe. Die Affinität von Twitterern zu Einhörnern beispielsweise, zu den Stichworten Penis, Brüste, Montag und Wetter. Manchmal blicke ich die Hashtags nicht und denke mir, dass ich zu alt bin für diesen Quatsch.

Aber Twitter macht mir eine Menge Spass, ich habe tolle Leute kennengelernt, und ich mag meine Timeline ernsthaft. Ein paar Abzüge gebe ich der technischen Seite, Stichwort API-Limits, und daher als Gesamtnote eine 1-.

9.) Welche Tools nutzt Du mit welcher Hardware für Deine Aktivitäten auf Twitter?

Am Desktop die Twitter.app. Ich find die dämlich, vor allem deshalb, weil sie keine Hashtags muten kann. Ich hab ein paar andere ausprobiert, mit denen war ich auch nicht so glücklich.
Es wird darauf hinauslaufen, dass ich wohl auch für den Desktop den Client kaufe, den ich auf iPod und iPhone schon länger nutze und mit dem ich mehr als zufrieden bin, nämlich Tweetbot.

Und wie es sich gehört, werfe ich das Stöckchen weiter: und zwar an @rebekkaUndAlles und an @LinaMadita — Frauenpower im Netz und so, und auf deren Antworten bin ich schon sehr gespannt! <3

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? – Juni 2013

Über Twitter wurde ich auf den Beitrag von @FrauBruellen aufmerksam, die an jedem 5. eines Monats wissen möchte, was man so gemacht hat — und die Idee gefällt mir so gut, dass ich mitmache. Also los:

Um 8h00 werden das Kind und ich relativ unsanft geweckt — am Haus gegenüber ist eine Kanalsanierung in vollem Gange. Wir sind träge, kuscheln rum, kichern und blödeln. Schliesslich stemmen wir uns aus dem Bett und beginnen den Tag — Frühstück (Toast und Kuh-Käse), gemeinsame »Schönheitspflege« im Bad (ich stehe vorm Spiegel, das Kind steht auf einer Kiste und kämmt mich), gemeinsames Zähneputzen (Kind möchte auch ins Waschbecken spucken). Dann begrüssen wir das Auto und fahren in einen benachbarten Stadtteil, wo wir an einer »Stillgruppe für Kleinkinder« teilnehmen. Die findet alle drei Monate statt, und wir fühlen uns hier sehr wohl — ein bisschen Erfahrungsaustausch und Gespräch, und die Kinder toben und spielen und verdreschen kleine rote Gummipferde…

Wir sind erst gegen 12h00 wieder zu Hause, stellen das Auto in die Garage und ich montiere noch schnell den niegelnagelneuen Fahradkorb am Lenker — das Stoffpüppchen darf probesitzen.
Während das Kind sich gnadenlos mit Joghurt und Wasser (»Tee!« — »Nein, du trinkst Wasser…« — »TEE!«…) vollstopft richte ich schonmal den Wickeltisch, dann wird das gähnende Kind bettfertig gemacht und schwebt, das Püppchen fest unterm Arm eingeklemmt, seinem Mittagsschlaf entgegen.

Während ich über das Babyfon dem Kind beim Singen zuhöre, sichte ich meine Arbeits-Mailbox: aber wie schön, keine Katastrophen. Ich höre mit einem Ohr Trash-TV und räume dabei die Bude auf, falte Wäsche, stopfe Waschmaschine und Trockner voll, finde überall Magnete, fege Krümel. Das ist so eine Tief-Phase: ich könnte mich jetzt einfach hinlegen und schlafen. Aber nachher will eine Versicherungs-Frau hier auflaufen zwecks zu leistender Unterschriften…

Im (oberen) Briefkasten finde ich eine Benachrichtigungskarte von Hermes — »Wir haben Sie nicht angetroffen und kommen morgen wieder.« Natürlich haben die mich nicht angetroffen — es hing ein DIN-A4-Schild an der Tür, dass sie das Paket bitte am rückwärtigen Eingang des Hauses abgeben sollen. Also greife ich zum Telefon, mache einen Hermes-Hotliner zur Schnecke und veranlasse die Hinterlegung des Pakets in der nächsten Filiale. Nerv!

Das Kind wird wach, ein wenig desorientiert und mit schlafroten Bäckchen. Die Versicherungsfrau und der Mann treffen nahezu zeitgleich ein, und während wir Papiere studieren, schenkt das Kind der Versicherungstante all seine Magnete. Es ist noch vergleichsweise früh, sonnig und schön — also wird das Kind aufs Fahrrad geschnallt, die Lenkertasche mit Stoffpüppchen, Wasserflasche und Keksproviant gefüllt und der nächstbeste Spielplatz angesteuert. Da der jedoch von pöbelnden Jugendlichen okkupiert ist, peilen wir lieber einen anderen an — mit einem kleinen Umweg über Feinkost Albrecht, Abendessen einkaufen.
Auf dem nächsten Spielplatz rutscht und schaukelt das Kind bis zum Abwinken, während ich fünf rauchenden und picknickenden Müttern zuhöre und innerlich seufze (Soraya und John-Luca treffen sich jetzt immer zum Karate; Kindergeld ist zu wenig; der Staat ist scheisse; Männer auch; die Kinder nerven; welche staatlichen Hilfen kann man noch so beantragen). Ich schnalle das Kind wieder aufs Rad, und wir fahren nach Hause — während ich koche, steckt der Mann das Kind in die Badewanne, und ich höre die beiden quietschen und über Giesskannen diskutieren. Es herrscht Uneinigkeit über das Ausspülen von Haaren, und nach einer Weile hetzt der Mann mit einer nassen Frottee-Mumie auf den Armen an mir vorbei…

Dem Abendessen folgt der besinnliche Teil des Tages, mit Magneten-schmeissen (einige habe ich in der Wäsche wiedergefunden, zum Glück ehe ich sie in die Waschmaschine steckte), Bilderbuch schauen, kuscheln. Das müde Kind und der müde Mann legen sich schliesslich schlafen, und ich verziehe mich an den Rechner, wo ich eifrig Firmen-Tickets und Beschaffungsanträge bearbeite. Ich habe riesige Kopfhörer auf den Ohren und höre im Hintergrund den Soundtrack zu »Dancing On Dangerous Ground«.

Und nachdem mein Soll soweit erfüllt ist springe ich unter die Dusche, wo ich meinen Kopf mit Pfefferminz-Shampoo bearbeite und den Rest von mir mit Pfefferminz-Duschgel, so dass ich anschliessend wie ein Kaugummi rieche und erbärmlich friere. Ich treibe mich noch ein wenig auf Twitter herum (irgendwie ist »Penis« heute das geflügelte Wort in meiner Timeline; und wir regen uns über die Herr Professorinnen-Kacke auf; wir freuen uns, dass das Wetter heute so schön war; und wir sind alle erkältet, müde oder beides).

Und ich werde versuchen, das jetzt mal an jedem 5. eines Monats zu tun. Weil ich’s nämlich lustig find. Und jetzt muss ich meine Haare kämmen gehen, es ist schon spät — und morgen geht die Kanalsanierung sicher fröhlich weiter…

Seifeln : benötigte Gerätschaften

Was benötige ich, wenn ich Seife selbst herstellen möchte?

Was auch immer ihr benutzt: es sollte anschliessend keinesfalls mehr im Lebensmittelbereich eingesetzt werden. Desweiteren müsst ihr darauf achten, niemals etwas aus Aluminium in die Nähe eurer unfertigen Seifen kommen zu lassen (Kupfer ist auch nicht so klasse), das Material wird von der Lauge angegriffen und die Verseifung kann auf üble Abwege geraten. Aus Kostengründen habe ich mich daher für die simple Variante entschieden und benutze viele leere Margarinebecher, Rumpelstilzchens leergegessene Hipp-Gläschen usw. Das meiste, was ansonsten benötigt wird, findet man auch günstig auf Flohmärkten oder im Baumarkt.

  • Schutzbrille: die Lauge ist ätzend, und gerät sie in die Augen kann sie zur Erblindung führen! Wirklich, ich kann es gar nicht oft genug wiederholen, wie dringend ihr eine Schutzbrille und Gummihandschuhe tragen müßt (in jedem Baumarkt erhältlich)!
  • Waage: die üblichen digitalen Haushaltswaagen sind auf 2g genau. Das ist hinreichend, um Mehl für ein Brot, nicht aber, um NaOH für die Lauge abzuwiegen — es sei denn, ihr macht grosse Mengen (> 1,5kg) Seife, da verlaufen sich solche Abweichungen dann wieder. Aber gerade als Neuling möchte man eher viele kleine Chargen produzieren statt einer einzigen grossen, richtig? Dann ist die Investition in eine digitale Feinwaage1 keine schlechte Idee.
  • Zum Schutz: Kleidung am besten lange Ärmel, lange Beine, altes Zeug. Essig zum Neutralisieren der Lauge, falls doch mal was daneben geht. Zeitungspapier (oder Vergleichbares), um den Arbeitsbereich abzudecken.
  • Herd oder Elektrokochplatte
  • Topf: in angemessener Größe (lieber etwas zu gross als zu klein), der idealerweise auch backofentauglich2 ist, also keine Plastikgriffe oder ähnliches… Meiner fasst in etwa 2 Liter, und ich mache meist Seifenblöcke von etwa 630g.
  • Pürierstab3: ihr könnt die Seife von Hand rühren, kein Problem; allerdings kann das — bei einem Rezept mit hohem Olivenölanteil, um nur ein Beispiel zu nennen — auch mal zwei Stunden dauern, und zwar zwei Stunden ohne jegliche Unterbrechungen. Das macht nicht so viel Spass. Mit dem Pürierstab ist man so mit 20 Minuten in jedem Fall dabei — für einen Pürierstab sind 20 Minuten aber auch schon viel, also sollte man zum einen immer mal von Hand weiterrühren und zum anderen nicht das billigste aller Geräte einsetzen, da brennen ganz gerne mal die Motoren durch. Spätestens, wenn ihr eine Avocado gleichmässig im Leifenleim verteilen oder Gewürze untermischen wollt ist der Pürierstab unerlässlich.
  • Laugengefäss: ich habe mich hier für eines aus Glas entschieden (eine einfache Kanne von IKEA), denn beim Zusammenbringen der Flüssigkeit mit NaOH-Perlen entstehen recht heftige Temperaturen; ausserdem bringt die Glaskanne mit knapp 1kg ein nettes Eigengewicht mit sich, sie kippelt nicht so leicht und schwimmt auch nicht davon, wenn sie in einem Spülbecken voller kaltem Wasser steht (zum Runterkühlen der Lauge).
  • Engmaschiges Plastiksieb: das wird benötigt, um die Lauge hindurch zu der Fettmischung zu giessen, wenn die Zeit reif dazu ist; die Lauge sollte immer durch ein Sieb gegossen werden, auch wenn es scheint, es habe sich alles gelöst. Noch wichtiger wird das Sieb, wenn Seifen mit schönen Zusätzen (Seide, Salz, Zucker, um nur einige zu nennen) hergestellt werden sollen.
  • Plastiklöffel: mit ihm wird im ersten Schritt die Lauge unter kontinuierlichem Rühren hergestellt. Bei Löffeln aus Metallen bzw. Holz müsst ihr bedenken, dass nicht nur diese Gerätschaften von der Lauge angegriffen werden (was ja an sich schon ärgerlich genug ist), sondern dass sich dadurch auch die Lauge verfärben kann, was wiederum Auswirkungen auf die Seife haben kann… Später dient der Löffel dazu, den Seifenleim zu rühren und ihn in letzter Instanz auch in die Form zu befördern, und insofern haben sich für mich diese Back-Silikon-Teigschaber mehr als bewährt — die können mit hohen Temperaturen, werden nicht angegriffen und kratzen auch das letzte bisschen Seifenleim aus den Töpfen.
  • Zuckerthermometer: Sicher ist sicher — man sollte sogar zwei davon haben. Eines nämlich für die Lauge, eines für die Fettmischung. Beides muss optimal temperiert sein, wenn man es zusammenbringt — und gerade bei der Lauge sollte man sich das Eintauchen von Körperteilen (AKA Fingern) zwecks Temperaturbestimmung verkneifen…
  • Formen: Da kann man kreativ werden: beispielsweise eignen sich Tetra-Packs als Seifenformen nicht schlecht, sie sollten aber zu den Seiten hin abgestützt werden, damit sie sich nicht zu sehr wölben. Silikon-Kuchenformen eignen sich ganz besonders — hier lassen die Seifen kinderleicht ausformen, man kann hübsche Einzel-Seifen4 machen und die Motivauswahl ist recht gross. Allerdings haben diese Formen auch ihren Preis, und zum Kuchenbacken sind sie hernach nicht mehr zu gebrauchen — also vorher überlegen. Im Zweifelsfalle eignen sich auch hier leere Joghurt-Becher, wer findig ist, kann sich selbst eine Form aus Holz bauen (und diese vor jeder Benutzung dann mit einer Folie auskleiden), und gerade für marmorierte Seifen drängt sich ein Dividor5 quasi auf… Ich für meinen Teil bevorzuge ganz klar meine Silikonform, einen Pfundskerl. Die kann mit hohen Temperaturen (Gelphase) genauso wie mit niedrigen (Gefrierschrank), ergibt etwa 7 Stücke Seife à 100g und verträgt den Geschirrspüler klaglos.
  • Frischhaltefolie: Abdecken der in die Form gegossenen frischen Seife zur Vermeidung von Sodaasche — die entsteht gerne mal während des Verseifungsprozesses an jener Fläche, die direkten Luftkontakt hat. Äussert sich in einer hellen Schicht, wie Pulver, und ist in erster Linie ein optisches Problem, aber durch das Abdecken gut zu vermeiden.

Ein bisschen Kram sollte man immer noch in Reserve haben: kleine Behältnisse zum Anmischen der Duftmischung bzw. zum Anreichern derselben mit einigen Tropfen Jojobaöl; Messer oder Draht zum Schneiden des ausgeformten Seifenblocks und eine Unterlage dafür; einen Pappkarton, in dem die Seifenstücke reifen können; Küchentücher, Löffel; vielleicht einen Mörser oder eine Kaffeemühle (zum Bearbeiten von Pflanzenteilen)… Naja, und mit der Zeit wird es ohnehin immer mehr, weil dann Formen hinzukommen und Utensilien zum Marmorieren und und und… Wen es einmal erwischt hat, den lässt es nicht mehr los :)

Im Endeffekt hat man zwei Möglichkeiten:

  1. Man nimmt die haushaltsüblichen Gerätschaften, Waage, Formen etc. Das ist eine günstige Variante, weil man diese Dinge in der Regel schon hat, und daraus resultieren Seifenblöcke von etwa 1,2kg oder mehr — die Kostenersparnis wird also zum Teil von der vergleichsweise hohen Menge an Zutaten gefressen.
  2. Man investiert in eine Feinwaage und eine kleine Form; das kostet Geld, dafür produziert man kleinere Chargen und benötigt für jeden Seifenversuch weniger Zutaten.

Beide Wege sind okay; ich habe mich für den zweiten entschieden. Meine Investitionen lagen für die Gerätschaften bei etwa 50 EUR.

Show 5 footnotes

  1. Ich habe mit diesen hier gute Erfahrungen gemacht; meine ist auf 0,05g genau.
  2. Die erste Heissverseifung lässt meist nicht lange auf sich warten, doch dazu später mehr ;)
  3. Ich habe einen von Braun, der zufällig im Angebot war.
  4. Für den Anfang ist es allerdings einfacher, eine grosse Seife im Block zu machen.
  5. Hierzu später mehr…

Seifeln : Vorwort und Sicherheitshinweise

Ich bin in den vergangenen Wochen immer wieder auf mein Hobby angesprochen worden: ziemlich viele Leute haben mich auf ziemlich unterschiedlichen Wegen kontaktiert und mich um Ratschläge und Hilfestellungen bezüglich des Seifenmachens gebeten, und ich habe versprochen, dazu mal ein paar Blogartikel zu verfassen. Et voilá — hier ist der erste seiner Art. Jugendlichen empfehle ich dringend die Hilfestellung durch einen fähigen Erwachsenen.

Wie entsteht denn nun eigentlich Seife?

Kurz gesagt: verseift man Fette mit einer starken Lauge, so wird — etwas Planung, Geschick und auch Glück vorausgesetzt — Seife daraus.

»Fette« ist hierbei ein recht weites Feld: für die reinen Pflanzenseifen werden Pflanzenöle, -fette und -buttern immer wieder neu kombiniert und in Relation zueinander gesetzt; gerade im Bereich der Putz- und Waschseifen ist auch der Gebrauch von Rindertalg, geklärtem Entenfett etc. verbreitet. Ich stütze mich in meinen weiteren Ausführungen jedoch überwiegend auf die Pflanzenfette — Ausnahmen sind zum Beispiel Lanolin, das Wollfett der Schafe, oder Bienenwachs.

Und auch bei der Lauge sind Varianten denkbar: KOH, also Kaliumhydroxid, wird für die Herstellung von Kalilauge herangezogen, womit überwiegend Schmier- und Flüssigseifen (seltener auch Rasierseifen, dann in Mischung mit Natronlauge) hergestellt werden.

NaOH, Natriumhydroxid, wird zur Herstellung von Natronlauge genommen; ich arbeite ausschliesslich mit Natronlauge. Und zu dieser möchte ich vorab einige Worte verlieren:

Vorsicht! Ätzend!NaOH sowie Natronlauge sind gefährlich. Ihr solltet das nicht unterschätzen1. Verkauft wird NaOH in Form kleiner Perlen und in gut schliessenden Plastikbehältern, welche immer ausserhalb der Reichweite von Kindern, Haustieren oder anderen unbelehrbaren und neugierigen Mitbewohnern gelagert werden müssen — die wiederum haben auch beim eigentlichen Vorgang nichts zu suchen, es ist einfach zu gefährlich.

Beim Ansetzen der Lauge muss unbedingt für gute Belüftung gesorgt werden — am besten macht man das gleich unter freiem Himmel, so möglich. Es riecht nicht so klasse, und man sollte die Dämpfe auch keinesfalls einatmen. Schon kleinste Mengen — einzelne Perlen, kleine Spritzer — können schlimme Verätzungen der Haut hervorrufen2 — im schlimmsten Falle zu Blindheit führen. Schutzkleidung — Schutzbrille, Handschuhe, Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt — ist Pflicht.
»Erst das Wasser, dann die Säure — sonst geschieht das Ungeheure!« — in gewisser Weise findet der Spruch auch hier Anwendung, denn würde man Wasser in den Behälter mit NaOH schütten, wären die Konsequenzen unvorhersehbar. Der umgekehrte Weg ist der richtige: in die abgewogene Menge (kalte, wenn nicht sogar gefrorene!) Flüssigkeit lässt man langsam die NaOH-Perlen einrieseln. Nun, und warum langsam? Die Flüssigkeit erwärmt sich massiv, während sich das NaOH darin löst — und zwar so schnell und so stark, dass das Ganze auch mal »überkochen« kann3.

Während Wasser »nur« heiss wird, können andere Laugenflüssigkeiten unschöne Seiteneffekte aufweisen: sie »verbrennen«, sie verfärben, und die Fettanteile beispielsweise von Milch fangen schon im Laugengefäß an zu verseifen… Der abgekühlten Lauge sieht man nicht an, dass es sich um Lauge handelt — sie darf keinesfalls versehentlich getrunken werden! Kann man die Lauge nicht im Aussenbereich ansetzen, sollte man es im Spülbecken tun — für den Fall, dass etwas überläuft.

Wichtig sind also: Schutzkleidung; langsames, konzentriertes und ungestörtes Arbeiten; und ein gewisses Maß an theoretischem Wissen.

In den folgenden Artikeln möchte ich euch folgendes näherbringen:

  1. Welche Arbeitsgeräte ihr voraussichtlich brauchen werdet, wo ihr diese herbekommt und wie hoch die Kosten da so Π x Daumen sind
  2. Ein einfaches Seifenrezept und wie ihr die benötigte Menge an Natronlauge dazu berechnet.
  3. Wie der eigentliche Vorgang der Seifenherstellung aussieht
  4. Was ihr mit einer Form voll frischem Seifenleim macht
  5. Wie ihr vom Seifenblock zu einem hübsch verpackten Seifenstück kommt
  6. Wie ihr an ein originales Stück localwurst-Seife kommt, um es selbst mal anzutesten (und Rückmeldung zu geben)

Ich hoffe, ihr habt beim Lesen genauso viel Spass wie ich beim Schreiben — und natürlich beim Seifeln!

Show 3 footnotes

  1. Die meisten von uns kennen sie sogar schon — Abflussreiniger besteht überwiegend (wenn auch nicht zu 100%) aus NaOH. Um eine oft gestellte Frage vorweg zu nehmen: nein, zum Ansetzen der Seifenlauge darf keinesfalls Abflussreiniger genommen werden!
  2. Das kündigt sich durch ziemlich heftiges Jucken an — dann heisst es, schnell schnell mit Essig neutralisieren und gut nachspülen!
  3. Ein Zuckerthermometer leistet hier gute Dienste: die bislang höchste Temperatur, die ich beobachten durfte, waren etwa 93°C!

Kinderspielplatz

Die meisten von uns kennen das: sie sagt »Schatz, der Mülleimer ist voll!« und meint damit eigentlich »Trag ihn raus.«. Er hingegen hört »Schatz, der Mülleimer ist voll!«, denkt sich nach einem kurzen Seitenblick in Richtung corpus delicti »Stimmt!« — und geht dann, ohne sich angesprochen zu fühlen, seiner Wege. Das beweist unter anderem, dass Kommunikation schon unter Erwachsenen gar nicht so einfach ist. Kommunikation mit Kindern ist noch spannender.

Am Samstag waren wir mit dem Rumpelstilzchen im »Boo«1, und dieser wiederum hat einen tollen Spielplatz, auf den das Kind sich zeitnah stürzte. Als Erziehungsberechtige/r geht man somit zum mehr oder minder meditativen Teil des Boo-Besuchs über — in der Sonne stehen, Kindergeschrei ausblenden und dem Nachwuchs verliebt beim Klettern, Schaukeln und Sand-Essen zuschauen. Oder auch nicht:

»Ramses, hör bitte auf den Joselin zu hauen. Nein, nicht hauen. Ich hab dir doch gesagt, dass du nicht hauen sollst. NICHT HAUEN!!! Siehst du, jetzt weint der Joselin und du bist schuld. Ramses, du bist böse. Du macht die Mama sehr traurig. Nachher gibt es keinen Pudding.«
Das ist eine mögliche Herangehensweise: das Kind, das ohnehin nicht zuhört, ordentlich zutexten (aber nicht eingreifen), dann die Psychoschiene fahren und zuguterletzt eine schwachsinnige Strafe verhängen, die weder temporal noch kausal mit dem eigentlichen Ereignis in Zusammenhang steht und im Grunde genommen der eigenen Unfähigkeit entspringt.

So ein Spielplatzbesuch (zu einer gut besuchten Tageszeit — etwas, das ich üblicherweise zu vermeiden versuche) ist nicht nur eine Parade der schrecklichsten Kindernamen, sondern auch eine grossartige Gelegenheit, eigenes Verhalten und das der anderen Eltern zu beobachten, zu überdenken, die eigene Schiene eventuell zu korrigieren. Ich bin beispielsweise davon überzeugt, dass bei spielenden Kindern Gesprochenes in etwa so ankommt, wie bei den kleinen Peanuts das Gelaber der Lehrerin — und dass Reden nur bedingt sinnvoll ist, vor allem in Gefahrensituationen und solchen, in denen die Emotionen ohnehin schon hochkochen. Kennt man das nicht von sich selbst?

»Nein, Mia-Jolina, nicht da hin laufen, du machst dich schmutzig. Ja, das ist das Klettergerüst, aber du bist zu schwer, ich kann dich da nicht hochheben, und wenn du alleine kletterst fällst du bestimmt runter und tust dir schrecklich weh. Nein Mia-Jolina, ein Eis gibt es jetzt nicht. Warum weinst du denn jetzt?! Wir fahren sofort nach Hause. Mit dir macht es überhaupt keinen Spass.«
Man hätte Mia-Jolina ja auch spielplatzkompatible Klamotten anziehen können. Und ihr ein bisschen was zutrauen. Wieso zieht man einem Kind seine besten Klamotten an, wenn man auf einen Spielplatz geht? Warum gibt es für kleine Kinder das Konzept beste Klamotten überhaupt? Was niedlich aussieht ist nie praktisch oder bequem, niemals, es ist immer mit Einschränkungen verbunden. Warum gehe ich mit meinem Kind auf einen Spielplatz, wenn es die Gerätschaften dort dann nicht benutzen darf? Natürlich kann ich meinem Kind verbieten, in der Wasserpfütze zu spielen — ich darf aber nicht überrascht sein, wenn es dann schreit, denn damit muss ich adäquat umgehen. Darüber sollte ich mir aber vorher klar sein. Und mir vorher überlegen, wie sinnvoll mein Verbot eigentlich ist. Und nicht einfach verbieten, einfach weil ich gross bin und das Kind klein — und Kleine zu tun haben was Grosse sagen.

Ich habe in den letzten Monaten die (schmerzliche) Erfahrung machen dürfen, dass ein überraschend hoher Prozentsatz kindlichen Unverhaltens elterlichem Fehlverhalten entspringt — Inkonsequenz, Trägheit, doppeldeutigen Botschaften. Dass es hart ist, sich das selbst einzugestehen und daran zu arbeiten. Es ist sogar schwierig, diesen Blogartikel zu schreiben, denn er soll nicht als Stimmungsmache aufgefasst werden oder gar als erhobener Zeigefinger — er soll lediglich meine Beobachtungen widerspiegeln. Diese Kinder, die ich da beobachte… Sie sind die Politiker, die Manager, die Chefs, die Erwachsenen von morgen.

Überhaupt, nicht selten kann ich die brüllenden und um sich schlagenden Kleinkinder ziemlich gut verstehen. Bin ich die einzige Mutter, die sich an ihre Kindheit erinnert? Wie doof es sich anfühlt, wenn man einfach nicht darf — und das nicht versteht2?

Show 2 footnotes

  1. Zoo
  2. Gerüchten zufolge ist es genau jene Empathie, die mir das Leben zeitweise so schwer macht.

Time Machine-Backup auf neue, grössere Platte umziehen

(Hint: Verwendetes System: MacOS X 10.8.2)

Meine Backup-Platte ist eine externe 2TB Western Digital, eine My Book (ich glaube »Essential«), jedenfalls: gute drei Jahre alt. Und das ist mir für eine Backup-Platte nun doch zu alt so langsam, weshalb ich mir eine mit 3TB angeschafft habe. Aber: meine Backups gehen zurück bis 2010, und die möchte ich nur ungern aufgeben. Es gilt also, den Datenbestand von der 2TB-Platte auf die 3TB-Platte zu ziehen, so dass Time Machine nahtlos da weitermachen kann, wo es aufgehört hat. Was simpel klingt, hat sich in der Praxis als gar nicht so einfach herausgestellt…

Ich habe diverse Anleitungen im Netz gefilzt, mir verschiedene Herangehensweisen überlegt. Unumstößlich sind wohl folgende Anforderungen:

  1. Time Machine muss abgeschaltet sein!
  2. Das Backup-Device muss »MacOS Extended (Journaled)« formatiert sein.
  3. Das Backup-Device muss über eine »GUID Partition Table« verfügen.
  4. Die Option »Eigentümer auf diesem Volume ignorieren« sollte nicht aktiviert sein.

Ab hier scheiden sich dann die Geister.
Noch kurz ein paar Eckdaten: beide Platten sind USB, und der iMac macht bekanntermassen kein USB-3.0… Das Gesamtvolumen beträgt 1,1TB, verteilt auf ~16.000.000 Dateien in ~2.350.000 Ordnern.

  1. Möglichkeit 1 wäre, (graphisch) den Backups.backupdb-Ordner von der einen (alten) Platte auf die andere (neue) zu ziehen. Spasseshalber (und weil ich da schon wusste, dass ich diesen Artikel schreiben würde) hab ich das mal angeschubst — wenngleich ich Apples Finder für derlei Aufgaben für völlig ungeeignet halte. Der neigt nämlich durchaus zum Abschmieren oder Einfrieren, und dann müsste wieder von vorne begonnen werden — was man sich bei diesen Datenmengen sicher nicht beliebig oft geben möchte. In der Tat begann Finder zu ermitteln, wieviele Dateien er da eigentlich verschieben soll, und nach etwa 4 Stunden hatte er die ersten 6 Millionen erkannt — also nicht einmal die Hälfte und noch nicht eine einzige kopiert ;)
  2. Der zweite Anlauf war rsync; die Idee dahinter war, dass der, falls er abbrechen sollte, zumindest nicht wieder von vorne anfangen muss. Der Aufruf sah auch die Beachtung von Hardlinks vor, unerläßlich in diesem Falle, aber rsync verlief sich vollkommen und geriet in eine Endlosschleife — ich hatte ihn über Nacht angeworfen, und am nächsten Vormittag behauptete er schon, > 87.000.000 Dateien übertragen zu wollen… nicht gut.
  3. Sonstwie kopieren (cp, cpio oder beliebiges anderes Tool) — habe ich nicht ausprobiert.

Disk Utility

Disk Utility

Im Endeffekt habe ich im Disk Utility im Reiter Restore als Source die (alte) Backup-Platte ausgewählt und als Destination die neue Platte, auf Restore geklickt und etwa 26 Stunden (!) gewartet. Ich hatte relativ oft gelesen, dass das nur bei exakt gleich grossen Platten funktionieren kann, aber ich kann vermelden: es ging auch mit einer grösseren Zielplatte. Nachdem der Vorgang beendet war, habe ich einmal reihum alle Devices ausgeworfen, dann lediglich die (neue) Backup-Platte wieder angeschlossen und in den TimeMachine-Einstellungen diese Platte als Backup-Volume angegeben.

Time Machine

Time Machine

Der erste Test war: kann ich die alten Backups noch sehen? Also Enter Time Machine — ja, da sind sie alle. Der zweite Test: kann ich von den Dateien auch etwas wieder herstellen? Ausprobiert und: ja, auch das funktioniert. Hernach stiess ich ich einen Backup-Zyklus an und überwachte: wieviel will er jetzt ins Backup stecken — eine sinnvolle Menge oder hunderte von GB? Aber es waren lediglich 280MB, überschaubar also.
Nachdem das Backup erfolgreich durchgelaufen war also der letzte Test: kann ich noch immer auf den alten Datenbestand zugreifen? Und auch das funktioniert. Zusammenfassend: ich habe den alten Backup-Bestand erfolgreich auf ein neues, grösseres Volume transportiert und Time Machine kann nach wie vor etwas damit anfangen. Puh!

Die alte Backup-Platte (2TB) kann nun für Spielereien und nicht wirklich wichtige Daten genutzt werden; die (ganz) alte-alte Backup-Platte (1TB) wird mit einem kompletten Mirror meiner Photos in einem anderen Haushalt untergebracht. Und weil ich nicht weiss, in welchem (physikalischen) Zustand die Platte jetzt bzw. in fünf Jahren sein wird, habe ich parallel dazu mit der Einrichtung von Amazon Glacier begonnen — denn schon bei dem blossen Gedanken, ich könnte auch nur eines meiner geliebten Photos verlieren, fallen mir vor Schreck Haare und Zähne aus. Zu der Amazon-Geschichte wird es dann demnächst und auf mehrere Bitten hin einen eigenen Artikel geben, aber das wird noch etwas dauern — ist alles nicht so trivial, aber die resultierende Sicherheit ist es mir absolut wert! :-)

Entwurzelt und verpflanzt

»Er liess die Schlüssel geistesabwesend in die Tasche gleiten und sah zu, wie die Möbelpacker Kisten, Schränke, Kommoden und all die anderen Dinge ins Haus trugen, die sich in den zehn Jahren ihrer Ehe angesammelt hatten. Sie so zu sehen, von ihren angestammten Plätzen entfernt, beraubte sie ihres Wertes. »Nur ein Haufen Gerümpel in Kartons« dachte er und empfand plötzlich Trauer und Niedergeschlagenheit — vermutlich das, was die Leute Heimweh nannten.« — Stephen King, Friedhof der Kuscheltiere

Ich habe 16 Jahre lang in diesem Haus gelebt, wenn auch nicht am Stück. Ich kenne all seine Gerüche — im Wohnraum, im Keller, im Garten, unterm Dach. Ich kenne seine Geräusche und weiss jedes Quietschen, Rumpeln, Ächzen und Stöhnen einzuordnen. Ich finde mich mühelos im Dunkeln zurecht, ich »sehe« dann sozusagen mit Ohren und Nase, ich muss mich nicht vorantasten. Ich kenne seine Macken, und ich weiss, was ich an ihm liebe.

Die Entscheidung, an anderer Stelle ein neues Leben anzufangen, kam nicht über Nacht; für mich war es ein langer Weg, ein umfangreicher Prozess. Die Suche nach einem geeigneten Haus gestaltete sich denn ja auch eher schwierig. Und als es dann tatsächlich ernst wurde, fühlte sich alles irgendwie unwirklich an.

Makler und Eigentümer, Finanzberater und Bankangestellte, Notar und Finanzamt. Unterschriften, viele Unterschriften, die wir leisten mussten. Und dann schlichen wir an einem regnerischen Abend im November nach Schlüsselübergabe mit den Verkäufern plötzlich durch unser Haus — und fühlten uns wie die Einbrecher.

Jeder rationale Gedanke spricht für diese Entscheidung. Und ich bin eigentlich auch stolz auf das, was wir hier haben. Ich sitze hier an meiner 25k-VDSL-Leitung (vorher hatten wir DSL-1500) und tippe diesen Artikel. Der Umzug war soweit organisiert und lief recht problemlos, und mit den Behördengängen sind wir fast durch… Glücklich sollte ich sein und erleichtert, froh und stolz und vielleicht ein bisschen faul.

Aber doch nicht traurig.

Aber es ist eine langjährige Beziehung, die ich aus rationalen Gründen beendet habe — und nun habe ich Liebeskummer. Ich bedaure. Ich vermisse. Ich weiss nicht, wie ich ohne. Ich weiss nicht, wie ich je wieder. Das volle Programm.

Bis Ende der Woche haben wir das alte Haus vollständig geräumt, und ich putze dann ein letztes Mal durch — das Wohnzimmer, in dem wir, vor dem Kamin liegend, Schach gespielt haben. Das Schlafzimmer, in dem ich mein Neugeborenes auf und ab schleppte. Die Küche, in dem das Baby mit Reiswaffeln und Leberwurstbroten um sich warf, und all die anderen Räume, die ich mit Erinnerungen und Geschichten verknüpfe, mit Gefühlen und Gedanken. Dann werden wir die Schlüssel übergeben. Und dann möchte ich weder das Haus noch den Ort je wiedersehen. Ich möchte nicht sehen, was die Nachbesitzer damit machen, oder ob es vielleicht sogar verfällt.

Und noch weniger möchte ich sehen, dass Fremde dort glücklich werden, wo ich so gerne glücklich gewesen wäre.

[Notiz] Default Konfiguration wiederherstellen

Üblicherweise kann man sich mit dpkg-reconfigure ja schon hin und wieder selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen, aber manchmal hat man einfach keine Chance… Bei mir war es ein völlig verbasteltes (Test-)System, auf dem andere (bereits gelöschte) Pakete die postfix-Konfiguration derart verbaut hatten, dass überhaupt nichts mehr fehlerfrei lief. Ich auf der anderen Seite wollte nicht viel Zeit investieren — die Standard-Paketkonfig hätte mir ja schon genügt… Und so habe ich sie (auf einem Ubuntu-12.04) wiederhergestellt:

  • Ich habe postfix beendet.
    # /etc/init.d/postfix stop
  • Ich habe den postfix-Konfig-Ordner umbenannt.
    # mv /etc/postfix /etc/postfix-WEG
  • Und dann die Konfiguration aus dem Paket neu erstellt.
    # dpkg -i --force-confmiss /var/cache/apt/archives/postfix_$VERSION.deb

Hat sich in diesem Fall ergeben, dass das Archiv noch an Ort und Stelle lag; ist das nicht der Fall, kann man es ja einfach rasch herunterladen. Der Aufruf jedenfalls erstellt ein ganz frisches /etc/postfix/ aus dem .deb heraus, und damit lässt sich dann wieder ganz prima arbeiten ;-)

Wurst mit Gesicht

Der/ die eine oder andere hat sich beschwert, dass es auf der Präsenz so arg still geworden ist. Und ja, ihr habt ja recht! Um mich ein ganz klein wenig zu rechtfertigen, beschreibe ich euch im folgenden einen beispielhaften Tagesablauf, wobei der noch eine harmlose Variante darstellt…

6:01 — Der Wecker klingelt. Das macht mir aber nicht so richtig viel aus, denn genaugenommen bin ich bereits seit 40 Minuten wach, auch wenn ich so tue, als schliefe ich noch. Grunzen unterm Deckenberg verrät, dass der Mann es genauso hält. Währenddessen hüpft das Rumpelstilzchen abwechselnd auf unseren Bäuchen herum, schmeisst methodisch alle Püppchen, Rassel-Schafe und mein iPhone aus dem Bett und zeigt mit ausgestrecktem Finger auf die Tür — aufstehen, und das gefälligst jetzt gleich! Schliesslich stößt es sich den Kopf und fängt an zu kreischen — leugnen hat keinen Zweck, ein neuer Tag hat begonnen.

Ganz dringend zocken...7:00 — Das Rumpelstilzchen sitzt in frischer Windel am Frühstückstisch und versucht, seine Finger in meinen Kaffee zu stopfen. Es gibt Leberwurstbrot, in schnäuzchengerechte Würfel geschnitten, die jedoch aufgrund des Belags auch prima an der Tischdecke, kleinen Daumen oder sonstwo kleben. Der Umweg über Brot wird ohnehin überbewertet, Leberwurst schmeckt auch so — denkt sich das Kind und schleckt an den künstlerisch gestalteten Brotquadraten. Im Grunde genommen will es ohnehin nur eines: von meinem Frühstück abbeissen, ganz egal, was ich da gerade esse. Während das Kind also mein Frühstück mampft, verhungere ich leise und erzähle zum hundertsten Male, dass das Männchen auf meiner Kaffeetasse »ganz dringend zocken muss, deshalb rennt es zum nächsten Automaten«. Pädagogisch nur bedingt wertvoll, rastet das Kind doch inzwischen bei jedem Notausgangsschild aus vor Freude…

9:00 — Zeit für Hausarbeit. Während das Kind begeistert durchs Wohnzimmer sabbert versuche ich, Wäsche zu falten. In der Praxis bedeutet das: ich lege ein gefaltetes Handtuch in den Wäschekorb, und das Kind greift es, faltet es auf, legt es neben sich und packt einen Bauklotz drauf.

10:00 — Das zweite Frühstück, da das Rumpelstilzchen dem Hungertod nahe ist; während ich es in der Illusion leben lasse, es könne alleine prima mit dem Löffel essen, mache ich die Küche sauber und versuche, den umfallenden Wasserbecher, der umherspritzenden Obstbrei und das kichernde Rumpelstilzchen gleichermassen zu ignorieren.

12:00 / Mittagspause — Das Kind schläft am besten ein, wenn man ihm tiefe, gleichmässige Atemzüge vorlebt. Die Sache hat jedoch einen Haken: bis das Kind schläft, schlafe ich auch. Wir geniessen also die gemeinsame Pause und tanken ein wenig auf.

Nachmittag — Einkaufen ist angesagt: Lebensmittel, Windeln und quadratische Wattestücke. Das Kind langweilt sich bereits 3 Sekunden, nachdem ich es in den Sitz des Einkaufswagens gepflanzt habe, und möchte auf den Arm. Ich lenke es ab, indem ich ihm eine Pappschachtel mit Backzubehör in die Hand drücke; wenig später hat die Schachtel ein Loch und das Kind ein mit Pappfetzen verschmiertes Mäulchen. Schliesslich hält es eine Packung mit Gesichterwurst in den Armen und streichelt sie selbstvergessen.

Es ist jedoch eine olfaktorische Zumutung und nicht zu leugnen: das Kind braucht eine frische Windel. Die Windeltasche steht nützlicherweise im Auto und das Auto meilenweit entfernt. Ganz schlau erinnere ich mich daran, dass der Drogeriemarkt einen Wickeltisch hat, also steuern wir den an. Dumm nur: von den Dimensionen her ist der eher auf Neugeborene ausgelegt, das Rumpelstilzchen ragt an allen Enden deutlich darüber hinaus und lacht sich kaputt — was jäh in wüstes Gebrüll umschlägt, als ich damit beginne, ihm die stinkenden Beinkleider vom Leib zu klauben.

Um sich zu beruhigen angelt sich das Kind alles, was es in den angrenzenden Regalen irgendwie erreichen kann; ich habe alle Hände voll zu tun es davon abzuhalten, in die volle Windel zu treten beziehungsweise sich deren Inhalt in die Haare zu schmieren, also habe ich auch keine Hand frei es davon abzuhalten, das wildbeerenfrische Duschgel-für-Kinder aufzubeissen… Bis ich dazu komme hat es einen kleinen Schluck genommen, und da es sich immer noch bühnenreif aufregt schäumt es nun nicht nur im übertragenen, sondern auch im ganz wörtlichen Sinne vor sich hin. Riecht aber sehr beerig dabei. Ich habe noch nie versucht, einem Kraken eine Strumpfhose anzuziehen, aber genau so muss es sich anfühlen — das Kind windet sich und tobt.

Abend — Ich habe mir irgendwas zu Futtern ausgedacht und zubereitet, alle haben gegessen und sind nun satt. Auf allen Vieren jage ich das Rumpelstilzchen durch die Bude, und schliesslich schleppt es sein Bilderbuch an, macht es sich auf meinem Schoss bequem und wir »lesen«. Ich bin müde. Das Kind ist quietschfidel.

Schliesslich schläft das Kind. Nachdem ich die Wohnung in einen einigermassen bewohnbaren Zustand versetzt und schnell noch die Waschmaschine angeschaltet habe, verschanze ich mich am Rechner und tue, was ein Sysadmin so tut. In der Regel komme ich so gegen 1:00 ins Bett; und dann beginnt auch schon der nächste Tag…

;-)

PS: So langsam läuft hier alles wieder in geregeltere Bahnen. Und ich kann euch versichern: so still wie in den vergangenen Monaten wird es hier nicht bleiben. Denn, wie ich in der Zeit meiner zwangsweisen Abstinenz feststellte: das Bloggen fehlt mir. Ihr fehlt mir. Und das hatte ich so eigentlich gar nicht erwartet <3 Ansonsten bin ich aber auch auf Twitter sehr aktiv, im Zweifelsfalle also einfach dort folgen — falls ihr das nicht ohnehin schon tut ;)

Prüfe, wer sich ewig bindet…

Hier nun das Kapitel »Prüfe, wer sich ewig bindet…« aus der Informationsbroschüre »Kamerad oder Spielzeug?«; jetzt fängt er an, Dichter und Denker zu zitieren, und der Text wird immer abgefahrener… Wie es dazu kam, könnt Ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Kein vernünftiger Mensch kauft eine Katze im Sack, d.h. unbesehen. So sagt man. So handelt man auch für gewöhnlich. Man prüft, ob’s keine Ramschware; ob’s keine Dutzendware ist. Ob die Sache auch das Geld wert ist. Und je wichtiger und wertvoller die Sache sein soll, um so größer ist die Sorgfalt, mit der man vorgeht.

Doch bei einer Angelegenheit läßt man die Katze nicht aus dem Sack, d.h. nimmt sie unbesehen. Ich hätte übrigens höflicher gesagt: Das Kätzchen. Denn ich fürchte, die »Katzen« könnten mir die Augen auskratzen, wenn sie meiner habhaft würden. Du hast wohl schon an der Überschrift gemerkt, welche Katze, hoppla Kätzchen, ich meine. Schiller spricht, was ich sagen will, feiner und gebildeter aus; ist schließlich aber dasselbe: »Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.« Sag mal: Wird diese so wichtige Angelegenheit nicht vielfach als eine Bagatelle behandelt? Sieht man nicht einzig und allein fast nur auf das Äußere. Zuviel auf äußeren Schein. Zuwenig auf inneres Sein. Aber wie schnell bekommt der äußere Firnis Brüche! Ich verrate dir kein Geheimnis, wenn ich sage, daß das weibliche Geschlecht mit den Jahren nicht schöner wird trotz aller Schönheitsmittel. Ach, wie bald schwindet Schönheit und Gestalt! Also wer darauf sein ganzes Glück gründet, ist recht bald enttäuscht. Dr. Sonnenschein erzählte einmal: Ein gefeierter Künstler heiratet eine bildschöne Frau. Nach einigen Jahren bekommt sie eine Krankheit. Was tut der Kerl? — Er läßt sich scheiden. Wie sollte er auch anders, da er doch die Schönheit geheiratet hat und nicht die Seele der Frau.

Wie? Kann man auch die Seele heiraten? Jawohl. Man muß sie sogar heiraten. Der Dichter Hebbel sagt: »Das heimliche Weh der Frau ist da, wo der Mann sie nicht seelisch besitzt.« Denn nur das Seelische hat auf die Dauer Bestand — im Guten wie im Bösen. Drüm prüfe, wer sich ewig bindet. Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang. Welche Eigenschaften muß denn das Mädchen haben, das eines echten Jungmannes wert ist?

Hör mal her. Wenn du mittags nach Hause kommst und es geht ans Futtern, beobachte deine Mutter einmal. Wie teilt sie z.B. das Fleisch? Zuerst für sich einen großen Happen, dann für den Vater, und dann für dich… hoho! Nein. Manchmal teilt sie sich tot. So macht’s eine Mutter. Ja, richtig! Das ist echt mütterlich. Das macht uns die Mutter so lieb, daß sie so wenig an sich denkt. Daß ihr das Wohl der Familie über alles geht. Daß sie verzichten, opfern, ertragen kann. Sieh, so soll doch auch mal die Mutter deiner Kinder sein. Aber meinst du, das lernte man im Handumdrehen. Wo’s nicht drinsteckt, da wird’s in der Ehe schwer hereinkommen. Also eine Naschkatze ist nichts für dich. Ich hätte bald gesagt, die bringt dich später auf den Hund. Denn du willst, wie jeder gute Vater, über dich selber hinausbauen. Du willst später deine Kinder weiterbringen. Meinst du, das hinge in der Hauptsache von dir ab? Du kennst doch das Wort: Der Mann kann es mit der Karre reinbringen, die Frau aber mit der Schürze wieder raustragen. Sie muss zusammenhalten können. Sie muß nicht alles haben wollen. In dem Sinne sagte ich dir schon mal: Das Glück in der Eh’ hängt ab vom Praliné.

Also eine, die sich Sonntags auf Kosten treibt, ist nicht die Deine. Eine, die am Flitterkram Geschmack und Gefallen hat, soll nie die Deine werden. Naschkatzen wie Modedämchen passen wenig zur Mutter deiner Kinder.

Doch muss ich euch Jungens auch die Leviten lesen. Die Mädchen sagen oft, die Jungen sind selbst schuld, wenn wir so sind — na, wie wir Mädchen heute einmal sind. Denn die einfachen, schlichten, biederen Mädchen, die mehr im Haushalt sind, als auf der Straße liegen, bleiben sitzen. Daß so manche, die zum Hausmütterchen geschaffen, Mauerblümchen bleibt, ist wirklich betrübend. Und manches Flatterding bekommt einen prächtigen Mann — und macht ihn oft unglücklich. Weil sie seelisch nichts zu geben hat. Siehe, diese Eigenschaft ist heute die notwendigste: dieses Verzichtenkönnen. Ich kenne einen Jungen, der sich mit seiner Braut so viel Geld gespart hatte, daß sie sich ein Häuschen bauen konnten, und jetzt, wo sie geheiratet sind, ist ihr Streben, die Schuld möglichst bald abzutragen. Also, Freund: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.

Das nächste Kapitel lautet:
Liebe macht blind?