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Hinter den Kulissen

In den letzten Wochen habe ich mich sehr intensiv mit dem Tagebuch beschäftigt. Das ist auf den ersten Blick vermutlich nicht so ersichtlich, da es sich hierbei weniger um Artikel handelte, sondern mehr um technische Spitzfindigkeiten.

So habe ich zum Beispiel alle Kategorien gekickt. Oder, ordentlicher formuliert: ich habe die bisherige Kategorie GEHACKT in ONLINE umbenannt und alle anderen Kategorien, die es gab, zur Kategorie OFFLINE zusammengefasst (und entsprechend in der .htaccess rumgekritzelt). Mich hat der Wildwuchs schon lange gestört, nun herrscht endlich Ordnung. Das hat auch den Charme, dass die Technikinteressierten unter euch nun eine Art Techie-Only-Feed abonnieren können, und wer sich überhaupt nicht dafür interessiert, schnappt sich den ohne Technik-Themen (und für die, die meine Beiträge in der Gesamtheit schätzen, gibt es den vollständigen Feed natürlich nach wie vor).

Zeitgleich kam ein neues Theme, und es ist genau so minimalistisch, wie ich mir es wünschte. Denn der Fokus liegt bei mir auf Text, oft auch auf viel Text. Ich habe lange nach etwas Passendem gesucht. Die Themes von elmastudio kann ich euch unbedingt empfehlen, einfach nur toll.

Immer öfter erkenne ich auch Punkte, die 2006 — als ich mit WordPress begann — okay waren, es aber 2014 eben nicht mehr sind. Meine Permalink-Struktur beispielsweise: ich hatte mich anno 2006 für http://$DOMAIN/$JAHR/$MONAT/$TAG/$ARTIKEL entschieden und empfand das schon seit einer Weile als nervig: aufgeblasene URLs, lächerlich bei der Frequenz meiner Artikel, angeblich auch schlecht fürs Ranking — aber nicht so ohne weiteres zu ändern, weil sonst alle bestehenden Links erstmal ins Leere führen. Allerdings nimmt einem der Redirect-Generator von YOAST die eklige Arbeit ab, sich selbst die entsprechende Redirect-Zeile für die .htaccess ausdenken zu müssen — und das ist nicht nur grossartig, das spart auch eine Menge Zeit.

Bei der Gelegenheit habe ich die Kommentarfunktion für ältere Beiträge abgeschaltet; schweren Herzens, irgendwie, aber dem Spam komme ich nicht mehr hinterher.

Ich habe angefangen, die wirklich frequentierten Artikel nicht nur vom Layout, sondern auch in Sachen Inhalt zu überarbeiten — und das frisst Zeit, weil ich die Produktivumgebung mit teilweise mehreren VMs nachstellen muss. Es ist ein Task, der mich — wohl auch wie das Taggen der bestehenden Artikel — nie so ganz los lassen wird. Ausserdem habe ich mir maobezws Kommentar zu Herzen genommen: »Man verändert sich ja auch irgendwo und was früher noch cool und gut war muss es heute nicht mehr sein.«. Für mich führt das einerseits dazu, dass ich mehr blogge, das Geschriebene aber nicht zwingend veröffentliche; und auf der anderen Seite habe ich alte Artikel, mit denen ich mich nicht mehr identifizieren kann, privat geschaltet oder gleich ganz gelöscht.

Derzeit spiele ich mit der Anbindung an Twitter, G+ und Facebook herum und informiere mich, was SEO-Themen angeht. Ausserdem möchte ich noch eine Funktionalität einbringen, die es so verbreitet noch nicht gibt — sprich, ich möchte mir selbst ein WordPress-Plugin schreiben. Derzeit fällt mein JS aber noch aufs Maul, und ich bräuchte mehr Ruhe, um mich da reindenken zu können. Aber die Testumgebung steht — immerhin ein Anfang.

Was mir nicht gefällt, ist der zum teil wirklich hakelige Seitenaufbau, seit ich die Daten beim Provider liegen habe. Nicht immer, nicht dauernd, aber halt doch immer mal wieder. Und was mich echt stresst ist die Tatsache, keinen Shell-Zugang zu haben — nur FTP. Würgs. Klar, ich kann ein fetteres Hosting-Paket buchen und erhalte einen limitierten Shell-Zugang. Oder es wird doch wieder ein kleiner Rootie — ein Gedanke, mit dem ich schon länger spiele. Es gäbe so viel auszuprobieren!

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MacOS X und »hidden files«

Das getestete System… war in diesem Falle MacOS X 10.9.2

Es bedarf ja schon eines gesonderten Häkchens bei »Show all file name extensions«, um sich die Endungen im Finder überhaupt anzeigen lassen zu können. Das allerdings schliesst immer noch nicht die hidden files ein (sowas wie beispielsweise die .bash_profile, .vimrc, ...). Es gibt aber Situationen, in denen es nicht schlecht wäre, sich genau die anzeigen lassen zu können.

Um das einzurichten, ein Terminal öffnen und folgendes eingeben:

# defaults write com.apple.finder AppleShowAllFiles TRUE
# killall Finder

Danach tauchen all die vermissten Files auf. Dass man nun auch ein .DS_Store auf dem Desktop liegen hat — naja, damit muss man dann leben Benötigt man das Feature nicht mehr, so lässt der obenstehende Aufruf — mit einem FALSE statt dem TRUE — die Files zumindest optisch wieder verschwinden.

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Hallo DHL. Nein, so nicht.

Am 24. Juli verfasste ich einen verärgerten Artikel über einen Wertbrief, der mit der Deutschen Post versendet und nie bei mir angekommen war. In der Sendungsverfolgung war er als »Kunde wurde benachrichtigt, Sendung liegt in der Filiale zur Abholung bereit« gekennzeichnet, de facto war er aber mit dem Vermerk »Empfänger unbekannt« an den Absender zurückgeschickt worden. Noch während ich am 24. Juli an meinem Beitrag tippte, sprang die Sendungsverfolgung des Pakets, das ich für den nächsten Tag erwartete, ebenfalls auf »Empfänger unbekannt« um — und ging zum Absender zurück.

Der Fahrer, der mir mit der leuchtendgelben Karre regelmässig die Einfahrt unberechtigterweise zuparkt behauptet also, diese Adresse und mithin diese Einfahrt gebe es nicht.

Die Hotline, die ich am nächsten Tag erst erreichen konnte, erklärte mir, dass eine Rücksendung nicht gestoppt werden könne. Ich musste also mit dem Versender den Neuverstand verhandeln, der Versender verhandelte mit DHL — zeitraubend, nervig, ärgerlich. An einem Samstag wurde das Paket dann zugestellt, von einem freundlichen Fahrer, der unter der Woche nicht hier fährt — und der (wie Hermes und UPS übrigens auch) keinerlei Probleme mit dem Finden unserer Adresse hatte.

Und gestern war es dann mal wieder so weit: ich wartete auf das Eintreffen meines Pakets, das mir per Mail für den Zeitraum von 10h30 bis 13h00 angekündigt worden war — allerdings sprach die Sendungsverfolgung bereits um 9h26 von »Empfänger unbekannt, Paket zurück an Absender« (es war keine Rede davon, dass es überhaupt ins Zustellfahrzeug geladen wurde!). Ich merkte richtig, wie mir vor Wut nach und nach die Haare zu Berge standen, und es brauchte mehrere Anläufe, bis ich bei der Hotline endlich durchkam — wurde immer aus der Leitung gekickt, was meinem Blutdruck ebenfalls abträglich war. Schliesslich hatte ich eine arme Hotliner-Socke dran, und ich eröffnete das Gespräch mit einem freundlichen »Guten Morgen«, der Nennung meines Namens und der Feststellung »Ich habe Blutdruck.«. Die Frau hörte sich alles geduldig an und nahm es — mal wieder — als Beschwerde auf. Mehr könne sie nicht tun, es sei ihr ein persönliches Anliegen, den Service für mich zu verbessern. An der Rücksendung indes könne man nichts ändern.

Kurz nach dem Telefonat erhielt ich dann eine Mail von DHL:

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
leider konnten wir Ihnen Ihr DHL Paket mit der Sendungsnummer $NUMMER nicht übergeben. Wir konnten Sie unter der folgenden Adresse nicht finden. [...] Bitte prüfen Sie für zukünftige Sendungen, ob dem Versender Ihre Adressdaten korrekt und vollständig vorliegen und ob Ihr Klingelschild lesbar angebracht und aktuell ist. [...]

Da ich nach wie vor ziemlich sauer war, kam mir diese Nachricht gerade recht, mich weiter aufzuregen; und weil niemand zum Aufregen da war und ich die Kinder nicht erschrecken wollte, blaffte ich einfach mal per Mail zurück:

ICH SITZE HIER UND WARTE AUF DAS VERDAMMTE PAKET!
Dann soll er ENDLICH mal richtig schauen! Hausnummer und Briefkasten sind VON DER STRASSE EINSEHBAR.
Es REICHT mir so langsam! Das ist das dritte Mal innerhalb eines Monats!
Nehmen Sie das Paket aus dem Auto und STELLEN SIE ES ZU!

Screen Shot 2014-08-14 at 22.19.11Ist eigentlich nicht meine Art, zumal ich davon ausging, dass die Adresse ohnehin nach /dev/null geleitet wird. Mit dem Versender besprach ich den Neuversand und versuchte dann, nicht mehr über das Thema nachzudenken.

Umso dummer schaute ich, als es heute an der Haustür klingelte: DHL! Und es schwebte heran: das Paket. Offenbar konnte jemand die Rücksendung doch stoppen — und damit hatte ich so gar nicht gerechnet… Der Fahrer sehr in Eile, keine weiteren Angaben zum Sachverhalt. Er wisse es ja jetzt, meinte er.

Und während das Baby sich in seiner hübschen neuen Federwiege räkelt graust es mir bereits vor kommender Woche: wieder ist eine Sendung an mich unterwegs, bei der die Lieferung an eine Packstation keine Option war…

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Icinga 2 – und los geht’s…

Schon 2013 habe ich damit angefangen, eine relativ alte Nagios-Installation in Richtung Icinga (1.x) zu transportieren; da alles scriptgesteuert abläuft, war das gar nicht so trivial. Und gerade in dem Moment, in dem der Live-Gang unmittelbar bevorstand und ich schon mit den Hufen scharrte… wurde ich von einem Beschäftigungsverbot aus dem Job gekegelt und durfte nichts mehr machen Meh.

Seither liegt diese Baustelle brach, und das wurmt mich zutiefst. Und ich bin froh, dass ich mich ab Oktober direkt wieder auf dieses Thema schmeissen darf! Inzwischen gibt es aber Icinga 2, und da heisst es nun abwägen… die Features sind schon sehr interessant, durch die geänderte Konfiguration wäre das aber kein »migrieren« mehr, das geht dann schon eher in Richtung »neu aufsetzen«, weil halt eine ganze Menge Scripte, Befindlichkeiten und Gewohnheiten dranhängen…

Aber ich habe ja noch ein paar Wochen, mich schonmal einzulesen und abzuwägen, ob es das wert wäre. Aber yay — ich freu mich schon <3

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Videoaufnahmen im Kindergarten

Die Anmeldung meiner Tochter im Kindergarten war eine umfangreiche Sache: ich musste viele viele DIN-A4-Seiten ausfüllen: Bankverbindung angeben, hat das Kind Allergien? (mehrfach), meine Handynummer (mehrfach), wer ist berechtigt, das Kind abzuholen (mehrfach); Vorlieben des Kindes, Sprachgebrauch, allgemeiner Entwicklungsstand; Einverständniserklärungen en masse.

In einem Nebensatz (und ganz ohne eine Einverständniserklärung zu fordern!) wurde mir mitgeteilt, dass die Kinder in ihrem Alltag regelmässig gefilmt werden. Ich war völlig perplex — beim Erstgespräch in der Einrichtung war davon überhaupt keine Rede gewesen. Etwas sprachlos machte ich mich am selben Abend noch daran, mehr zur Theorie dahinter zu erfahren, fand allerdings nicht viel Brauchbares. Wie funktioniert das in der Praxis? Sind in allen Regalen kleine Kameras installiert, die permanent aufzeichnen? Rennen die Angestellten mit der Handkamera herum? Einmal im Monat, wöchentlich, täglich? Wie aussagekräftig sind die Aufnahmen dann überhaupt? Wie und wie lange wird gespeichert, wer hat Zugriff? Datenschutz? Was wird damit bezweckt?

Mit meinem Fragenkatalog suche ich das Gespräch mit der Angestellten. In den Einrichtungen werden die Kinder »professionell beobachtet«, der Vorteil von Videoaufnahmen sei, dass diese von mehreren Betrachtern subjektiv bewertet werden werden können, und mehrere subjektive Bewertungen der Aufnahmen ergäben dann ein grosses Ganzes.
Was mich an der Sache ja schon spontan stört ist, dass die Auswertung ja nur so objektiv sein kann wie die Aufnahmen an sich es sind. Denn schon das Schauen durch den Sucher macht den filmenden Menschen zum subjektiven Betrachter: warum wird jetzt gefilmt, warum gerade diese Szene?

Ja, erklärt sie mir fröhlich, sie filmen die Kinder mit einer Handkamera; sie fragen die Kinder auch vorher immer, ob das okay sei. (Was ich ziemlich daneben finde, denn Kinder in dem Alter haben da gar nichts zu sagen — und sagen ohnehin ja.) Ich frage sie, wie brauchbar solche Aufnahmen überhaupt sind, da sich meiner Erfahrung nach die wenigsten Menschen vor einer Linse natürlich verhalten. Sie bestätigt, dass die Kinder von der Kamera recht irritiert sind, was sich nach etwa zehn Minuten aber lege. Und dann folgt ein Satz, der mich unmittelbar mutlos werden lässt:

»Die kennen das ja nicht anders, die sind da dran gewöhnt und akzeptieren das voll.«

Ist es das, was wir wollen? Ist das gut? Sollen sie aufwachsen in der Gewissheit, ständige Beobachtung (und deren Dokumentation) sei normal oder gar wünschenswert? Die Frau ist ratlos. Sie erklärt mir, dass diese Aufnahmen ausgewertet, geschnitten und beim Elterngespräch vorgeführt werden. Bei den Eltern käme das extrem gut an, und ob ich nicht auch diese Filme von meiner Tochter sehen wolle?

Nein, das will ich nicht. Ich habe lange gebraucht, ehe ich meine diffusen Gedanken, meine Abneigung und mein Missfallen überhaupt in Worte fassen konnte, und ich versuche, es zu formulieren, auch wenn es mir immer noch nicht gut gelingen mag: ich weiss, dass sich der Mensch seiner Umgebung graduell anpasst, sich, je nach Umgebung, anders verhält. Ich bin zu Hause Mama, Putzfrau, Köchin, Trösterin — auf der Arbeit Sysadmin, Kollegin, Angestellte. Mein Mann ist zu Hause mein Mann und der Vater unserer Kinder, und auf der Arbeit ist er $anders, und das ist sein gutes Recht. (Würde man ihn auf der Arbeit filmen, würde ich auch das nicht sehen wollen!) Er hat das Recht, dort genau so zu sein, wie er dort sein möchte — und dieses Recht hat meine Tochter ebenfalls, auch wenn sie noch keine drei Jahre alt ist. Hier zu Hause ist sie Tochter, im Kindergarten ist sie ein zu betreuendes Kind. Es ist ihr gutes Recht, sich dort eine eigene Persönlichkeit aufzubauen, die nichts mit dem Mama-Dunstkreis zu tun hat. Das ist ihres, und das soll so auch bleiben. Meine Aufgabe ist es, mit ihr in Dialog zu treten, so dass sie mich weiterhin an ihrer Gefühlswelt und ihren Erlebnissen teilhaben lässt. Diese Aufnahmen, sie erscheinen mir wie ein Vertrauensbruch, wie die Missachtung ihrer Privatsphäre. Und ich kann nicht einschätzen, wie sich solch gesammeltes Material in ihrer Zukunft auswirken wird. Niemand kann das.

Ich muss den Angestellten, denen ich bald täglich stundenweise mein Kind anvertraue, vertrauen können. Kann ich das nicht, geht ganz grundsätzlich etwas schief. Das Kind täglich dort abzuliefern und dann wegen jedes Piepschens einen Videobeweis anzufordern finde ich… naja, äusserst befremdlich. Dass diesem Ansinnen auch noch nachgegangen wird ist meines Erachtens noch befremdlicher.

Sehr viel eher als gedacht werden wir unsere Kinder in Sachen Medienerziehung bilden müssen. Und damit meine ich mit uns wirklich uns, denn auf meine Fragen bezüglich der Aufbewahrung, Aufbewahrungsfristen, Zugriffskontrolle und so weiter habe ich keine zufriedenstellenden Antworten erhalten. Es fühlt sich für mich nach einer Gratwanderung an zwischen Datenschutz, Schutz der Privatsphäre und »alle anderen machen aber« — ausser uns hat nie jemand diese Praxis bemängelt, wir sind die ersten, die jeglicher Art von Videoaufzeichnung, Verbreitung von Fotos im Internet1 usw. widersagten. Machen wir unser Kind zum Aussenseiter? Wie hoch ist der Preis, wenn wir es nicht tun?

  1. Tatsächlich hatte ich die ganze Zeit ein Foto meiner Tochter in Benutzung — man sah ihr Gesicht nicht, da sie eine Hand und eine Kamera davor hielt. Aber auch das habe ich nun rausgenommen — es war das einzige, aber auch das war zu viel.
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Ihr Sendung liegt in der Filiale zur Abholung bereit.

»Das Tagebuch der localwurst« hat heute Geburtstag — es wird acht (8!) Jahre alt!!!
Dass der Geburtstags-Beitrag ein Rant ist, war leider nicht zu vermeiden

Vor nunmehr fast vier Wochen erstand ich in einer etwa 100km entfernten grösseren Stadt bei einer Goldschmiedin zwei Schmuckstücke; die sollten handgefertigt und graviert werden, und das geht nicht über Nacht. Ich bezahlte vor Ort, und wir einigten uns auf versicherten Versand. Da die Frau auch einen Online-Shop betreibt, machte ich mir keinen Kummer — das würde schon funktionieren. Lieferzeit: in etwa zwei Wochen. Soweit, so gut.

Natürlich war ich schon ganz kribbelig. Den letzten Schmuck habe ich mir vor… pff, keine Ahnung, wie lange das her ist! Ich freute mich jedenfalls unbändig und begann nach Ablauf von etwa zwölf Tagen den analogen Posteingang zu bewachen. Aber — nada. Während mein inneres Kind schon rumpelstilzchenhaft umherhüpfte und -wütete, zwang ich mich zu Geduld. Nach 25 Tagen hielt ich es jedoch nicht mehr aus und hakte telefonisch nach.

Ich erfuhr, dass die Sendung eigentlich schon seit Tagen bei mir sein sollte. Laut Sendungsverfolgung sei ich am 17. Juli benachrichtigt worden — was ich nicht bin. Die Sendung liege »zur Abholung in der Filiale bereit«. Mit Auftragsnummer und Personalausweis bewaffnet machte ich mich auf den Weg zur Filiale.

Das Personal wusste zunächst mit der Auftragsnummer nichts anzufangen und behauptete »Das ist keine von uns. Ist sicher mit der Konkurrenz verschickt worden.«. Es brauchte drei kollektiv vor einem altersschwachen PC zusammengerottete Mitarbeiter um zu erkennen, dass die Auftragsnummer zu einem sogenannten (versicherten) Wertbrief der Deutschen Post gehört. Sodann begannen alle drei, den Laden systematisch zu durch-grep-en, wobei man mir des öfteren vorwurfsvolle Blicke zuwarf und betonte, der sei »sowieso nicht hier«. Unverrichteter Dinge musste ich abziehen: die Versenderin solle einen telefonischen Nachforschungsantrag stellen.

Die war mittelprächtig entsetzt und hängte sich sofort ans Telefon; fünfmal schilderte sie einem Sprachcomputer die Situation und nannte die Auftragsnummer, woraufhin der Sprachcomputer sie anblaffte, die Sendung liege »zur Abholung in der Filiale bereit« — und die Verbindung unterbrach, sobald sie einen Mitarbeiter zu sprechen wünschte. Beim sechsten Versuch und über die Geschäftskundenhotline erreichte sie einen Mitarbeiter und — oh Wunder — der teilte ihr mit, dass die Sendung… ihr wisst schon. Einen Nachforschungsauftrag durfte sie auch nicht stellen, denn immerhin liege die Sendung ja… ihr wisst schon. Der Empfänger, also ich, solle in der Filiale eine Reklamation einreichen.

Ich also am nächsten Tag wieder hin, wieder mit Kind und Kegel, Kinderwagen und vollem Gepäck. Und schon, als ich mit meinem Zettel auf die Mitarbeiterin (die vom Vortag) zuging, maulte diese »Was wollen SIE denn schon wieder hier? Ich hab Ihnen doch gestern gesagt, was Sie zu tun haben!«.

Also mal echt: ich bin nicht zimperlich. Aber das ist doch kein Umgangston, oder irre ich mich? Sie verweigerte meine Reklamation, denn »Reklamation aufgeben gibt es gar nicht. Der Versender soll das regeln. Draussen hängt ein Telefon, rufen Sie die Hotline an.«

Ich also zum Telefon. Die Dame am anderen Ende klang nach PMS und schmerzenden Füßen, und aufgrund meiner Auftragsnummer teilte sie mir mit, dass — TADA! — die Sendung… nein, ich schreib das jetzt nicht nochmal. »Ich stehe hier in der Filiale. Die Sendung liegt hier nicht!»»Dann sollen die halt mal richtig suchen!« Sie nahm es dann als Suchanfrage auf, eine Fachabteilung würde sich um Belange wie diese kümmern, und in einigen Wochen würde ich dann schriftlich benachrichtigt werden. »Aber machen Sie sich keine Hoffnungen«, beendete sie das Gespräch mürrisch, »da kommt eigentlich nie was bei raus.«

Die Goldschmiedin biss quasi in die Tischkante, als ich ihr den Stand der Dinge mitteilte. Die Aufbewahrungsfrist für den Wertbrief beträgt sieben Werktage, und wir beschlossen, diese abzuwarten — denn sollte er in einer anderen als meiner zuständigen Filiale gelandet sein, würde er nach Ablauf der Frist an sie zurückgehen. Doch wie sich herausstellte, war er das schon — sie erhielt am 23. Juli eine Benachrichtigung, dass sie ihn auf der Hauptpost abholen solle… das waren dann gerade mal vier Tage, wenn überhaupt.

Also, welche Art von Servicelevel ist das? Geld kassiert für Null Leistung, unverschämtes und dreistes Personal, das nicht nur mich, sondern auch die Versenderin von der Seite anmachte, inkompetente Hotliner. Was geht ab in dem Laden? Ich hab mich echt geärgert, und ich war auch deprimiert — ich hatte nicht mehr mit einem sinnvollen Ausgang der Angelegenheit gerechnet.

Am Samstag setze ich mich jedenfalls ins Auto, fahre hin und hole meinen Kram ab. Nix mehr Versand.

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iPhone-Reparatur, ein kleiner Erfahrungsbericht

Es war der unrühmliche Gipfel eines durch und durch ätzenden Tages: mein iPhone (5), das mir aus der Brusttasche der Bluse aufs Laminat fiel, und zwar genau auf die Ecke, in der auch der Power-Button ist. Das Glas war durch und durch gerissen, und in besagter Ecke rieselten mir Glassplitter entgegen. Stand aber zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion, dann halt auf das Gerät zu verzichten — ich wickle einfach sehr viel darüber ab. Wie viel, das merkte ich erst in den folgenden Tagen

iPhone_1 Unser Apple-Systemhaus fühlt sich für iPhone-Belange nur bedingt zuständig; die Konditionen waren auch schlecht, ich hätte das Gerät erst einschicken müssen, hätte dann irgendwann Ersatz dafür erhalten — und das hätte mich dann ~260 Euro gekostet. Der Mitarbeiter vom Apple-Laden empfahl mir die lokale Handy-Klinik; tatsächlich werben die sogar damit, dass man das Gerät nach höchstens 90 Minuten repariert zurück erhält. Der Austausch vom Display — man wechselt hier nicht nur das Glas, sondern das gesamte Display — wäre auf 160 Euro gekommen.

iPhone_2 Über (Mal wieder! Es ist einfach genial!) Twitter wurde ich auf die Idee gebracht, selbst Hand anzulegen — sozusagen. Rund 80 Euro für die Hardware nebst Werkzeug schienen fair, und bei der Gelegenheit bestellte ich gerade noch einen neuen Akku mit. Zwar ist das Ganze nicht »Prime«-bestellbar, der Versand ist dennoch kostenfrei und sehr schnell. Für den eigentlichen Tausch räumte ich mir dann aber doch Arbeitsfläche frei, Mann und Kinder waren unterwegs — hier wollte ich Ruhe haben.

iPhone_3 War auch besser so; durch den derben Schlag hat nämlich auch das Gehäuse eine Delle, und dadurch ging das Display nur unglaublich schlecht raus — dauerte sicher 40 Minuten. Glücklicherweise hatte ich für den Saugnapf leidlich Fläche, sonst hätte ich es sicher nicht geschafft — aufgrund des verbogenen Rahmens hätte das kleine Werkzeug niemals gepasst. Die Kombination aus Saugnapf, kleinem Werkzeug und gaaaanz viel Geduld brachte es aber schliesslich
Nachdem ich mir am Akku fast das Leben genommen hätte (der war wirklich mit Starkkleber da reingepappt) ging das neue Display dann auch entsprechend schlecht rein; auch hier war wieder Fingerspitzengefühl gefragt; das Bild zeigt die geschrammte Ecke, schon mit neuem Display.

iPhone_4 Ich war froh, als ich den altvertrauten Boot-Apfel sehen durfte Danach gab es erstmal einen grossen Schreck, da der Home-Button nicht reagierte… Mit dem nächsten Reboot erledigte sich das aber von selbst. Keine Ahnung. Alles in allem also eine gelungene Aktion. Deutlich höherer Zeitaufwand, als im Giga-Video angegeben, aber das ist okay für mich. Ob ich das allerdings jedem empfehlen möchte? Ich kenne genug Leute, die sich beim Versuch einer solchen Reparatur das Gerät final schrotten würden Man sollte schon wissen, was man tut. Und gaaaanz vorsichtig sein.

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