Achtung: dieser Blogeintrag wurde vor 5 Jahren, 3 Monaten und 27 Tagen veröffentlicht!
Beachtet das bitte dringend, vor allem im Falle konkreter Anleitungen.
Für etwaige Schäden kann keine Haftung übernommen werden!
Alice hat eine recht abartige Sitte einreißen lassen: aus absolut jeder Stadt, die groß genug ist für einen Kiosk, schickt sie Eve eine Postkarte mit dämlichem Text.
Jedoch nicht irgendeine Postkarte.
Es muß die mit Abstand häßlichste Postkarte sein, die man käuflich erwerben kann.
Und das ist schwieriger, als Sie jetzt vielleicht denken; netrale, doofe oder geschmacklose Postkarten gibt es sehr viele, aber die wirklich schlechten (die all das und noch mehr in sich vereinen) muß man schon suchen. Bisher wurde Alice in nahezu jeder Stadt fündig: in Köln ein Haufen Schrott von Bijou Brigitte, aus dem oben ein winziger Kopf rausschaut (Domschatz); in Trier die schmucklose Ablichtung eines alten Fetzens, eingefaßt in einen Goldrahmen (Hl. Rock); im März eine Karte aus Frankfurt mit der Büste einer drallen blondgefärbten Renterin, die grinst wie eine Irre und mehrere Putzeimer mit einer trüb-siffigen Brühe in die Kamera hält (“Grüße vom Münchner (sic!) Oktoberfest (sic!)“) – und so weiter.
Eve hat sich mit dieser Tatsache nicht nur abgefunden, vielmehr begrüßt sie diese und fordert sich die Karten regelmäßig an; mit einem gewissen Maß an Humor und Rachlust gesegnet, revanchiert sie sich im Gegenzug mit ähnlichen Perversionen: Karten mit Schweinenasen, Konterfei der Pipi Langstrumpf etc.
Alice ist nun erneut in Trier, und sie ist in Begleitung von Bob; beide sehen sich nun vor einem vielfach größeren Problem: den Hl. Rock hat Eve bereits erhalten, also muß sie nun etwas bekommen, das mindestens genauso scheußlich ist. Wie gesagt – stellen Sie sich das nicht zu einfach vor!
Alice und Bob ergehen sich daher nun in Diskussionen, welche der Karten als die abscheulichste anzusehen ist. Vorschläge werden in den Raum gestellt und sofort wieder verworfen, man schwebt von einem Kartenständer zum nächsten – und der Heiterkeit sind selbstverfreilich keine Grenzen gesetzt.
Und auf dem Gipfel unbezähmbarer Heiterkeit findet man sie. SIE.
Sie ist undefinierbar, ein fetter Engel (= eine Heilige) in Bronze, bekiffter (= beseelter) Blick, Hängebacken (= lieblich pralle Wängelein), umrahmt von angekratzten Zacken (= von zartem Glorienschein umwallt).
Sie ist einzigartig.
Sie ist augenkrebserregend.
Sie ist das Gesuchte und somit perfekt.
Alice drückt das wertvolle Kleinod überglücklich an sich, um es alsbald käuflich zu erwerben, doch es wird ihr aus den Hand gerissen. Von Mallory. Mallory ist offenkundig gläubige Katholikin und kann es keine Sekunde länger ertragen, daß zwei (mehr oder minder) atheistisch veranlagte Informatiker ihr Allerheiligstes auslachen. Mallory schäumt und spuckt und verschießt Blicke wie Pumpgun-Geschosse. Sie verjagt Alice und Bob mit grimmigsten verbalen Beschimpfungen von ihrem Stand und behält die beschissene Karte einfach selbst.
Nunja. Alice und Bob haben an anderer Stelle eine nicht ganz so üble, aber dennoch passable Karte entdeckt, diese mit fünf Briefmarken (Primsummenzerlegung, hernach war sie zu einem Drittel voll) und einem Gedicht zu Ehren der Stadt Trier bestückt und doch noch abgesendet. Eves Reaktion wird freudig erwartet.
Doch das ist eine andere Geschichte
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