Kategorien

Umbruch

Es war ein kalter Herbstabend vor nicht ganz zwei Jahren; ich lungerte auf meinem urgemütlichen Sofa herum, auf dem Tisch neben mir eine Kanne Tee und Kandiszucker, auf dem Schoß eine Handarbeit, sanfte Beleuchtung, leise Musik. Ich war allein, ich bastelte etwas für einen Menschen, der mir wichtig war, und auch wenn ich eigentlich nichts Außergewöhnliches tat: der Abend war vollkommen.

Tiefe Ruhe, Beschaulichkeit, Zufriedenheit hatten mich erfaßt. Subjektive, die ich normalerweise nicht verwende – Gefühle, die ich in dem Maße und in dieser Kombination nicht kannte. Leider blieb es bei dem einen Abend, schon wenige Stunden später sah ich die Welt und mein kleines Leben darin wieder trostlos, wild und ungeordnet.

Es dauerte fast zwei Jahre, und heute kehrte dieses Gefühl zurück, unvermittelt, beängstigend; ein dicker Holzscheit, der im Kamin lodert und das Trümmerfeld meines Wohnzimmers in geisterhaftes Zwielicht taucht; die heimelige Wärme, die er verströmt, die leicht rauchige Atmosphäre im gesamten Haus. Im Ofen der wohl perfekteste Kuchen, der so gut riecht, daß ich am liebsten gleich hineinbeißen würde.

An diesem Abend bin ich völlig eins mit allem um mich herum, und ich bin froh, daß ich alleine bin und keine gutgemeinte Äußerung, kein flapsiger Spruch, keine zielgerichtete verbale Attacke den Gesamteindruck stören können. Vielleicht würde die Anwesenheit des Einen, wäre er zugegen, sogar meine Seligkeit zusätzlich steigern – vielleicht wäre sie dann aber kaum noch zu ertragen.

Für den Moment bin ich bereit, alle Theorien bezüglich Schicksal zu glauben, Unbeweisbares als Tatsache anzunehmen, voller Hoffnung nach vorne zu schauen.

Und werde in der Überzeugung einschlafen, daß mein Leben sich auf schöne, aber unerklärliche Weise geändert hat.

Keine ähnlichen Artikel.

Ein Kommentar zu Umbruch

Einen Kommentar schreiben

 

 

 

Diese HTML-Tags können verwendet werden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>