“Ein Informatiker ist eine Maschine, die Kaffee in Programme umwandelt…”

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Durch Zufall stieß ich auf diesen Artikel bei heise.de, und der brachte mich zum Nachdenken; ich zitiere einfach mal:

“[...] Um die soziale Kompetenz ihrer Absolventen aufzubessern, bietet die Fakultät für Informatik der TU München ihren Absolventen einen Benimmkurs an. Nach Angaben der TU umfasst das Programm des Seminars Punkte wie “Begrüßen und bekannt machen”, “Tisch- und Essmanieren”, “Kleidung: Tipps und Fauxpas”, “Smalltalk” sowie “Körpersprache deuten”. Zu dem Kurs gehöre zudem auch ein “gemeinsames stilvolles Mittagessen mit Dreigängemenü”. [...]”

Soweit so schlecht. Wir sind also technisch kompetent, aber sozial völlig inkompetent. Was mich dazu veranlaßte, Bekannte zum Thema “Klischee: Informatiker” zu befragen, und in der Tat sind die Ergebnisse erstaunlich kongruent – und nicht wirklich schmeichelhaft. Aber fangen wir mal vorne an:

Es geht hier IMHO nicht um die Möchtegern-Admins, die “ich-hab-mir-gerade-SUSE-installiert-und-bin-nun-ein-Linux-Guru”-Fraktion, die Besserwisser, sondern es geht in der Tat um diejenigen, die sowohl hexadezimal als auch dual rechnen, Speicherriegel anhand der Aufdrucke der einzelnen Käferchen identifizieren und weinen, wenn einem PROM ein Beinchen abgebrochen ist. Völlige Einigkeit herrschte bei der nicht repräsentativen Menge der Befragten in folgenden Punkten:

  • Kaffeetasse: sekundäres Geschlechtsmerkmal
  • Brille: ein nicht wegdenkbares Hilfsmittel
  • Pizza: Grundnahrungsmittel

Und weiter: blasses Gesicht, gesenkter Blick, wenig ansprechende (idR. schwarze und ungebügelte) Kleidung, asymmetrische Frisur (worst case: lange Haare, verfilzter Bart); Rückenprobleme, Zappeligkeit, Hang zum Chaos; SciFi- und/ oder Rollenspiel-Fan, beantwortet jede Frage mit ’42′ bzw. ‘google’, kann ziemlich lange über die verschlungenen Zusammenhänge der 23 dozieren; menschen- und lichtscheu, |<4nn 50642 5437z3 w13 d1353n mu3h3lo5 1353n, zumeist Single; kennt fast jeden Film, besitzt jedoch keine DVDs, kennt fast jede neue CD, besitzt aber selbst keine; Hang zum Atheismus, Versuch des Multitasking in jeder Lebenslage, kennt einen Haufen Leute – zumindest online und anhand ihrer Nicks; tippt blind auf zumindest deutschem und amerikanischem Layout mit einem Anschlag, der jede Sekretärin erblassen läßt; besitzt mehr Rechner als der Kistenschieber-um-die-Ecke, bezeichnet einen Lötkolben als “universellen multifunktionalen Interface-Adapter”, kennt mehr Betriebssysteme als er saubere Socken hat; abonniert Comic-Strips per RSS und liest nicht eine Tageszeitung, er leidet unter eine nicht weiter spezifizierten Krawatten-Phobie; er kocht nicht, sondern bestellt lieber (“Reality is where the pizza delivery guy comes from”), hat tausende MAME-ROMs und möchte dennoch einen originalen PacMan fürs Wohnzimmer; JAVA ist keine Insel, Perl kein Ort, AJAX kein Haushaltsreiniger, DAU kein Schiffstyp und Bielefeld gibt es nicht; ein Stromausfall kommt einem Weltuntergang gleich, der Ausfall eines DSLAMs animiert ihn zu erstaunlich emotionalen Ausbrüchen; er denkt in Algorithmen, er ist kein Ästhet (“Design ist nichts – Funktion ist alles”), er ist Mitglied im IKEA[tm] (“Institut für die kreative Expansion von Akronymen”); er integriert den Computer-Slang in den täglichen Sprachgebrauch, spricht mit gespaltener Zunge, er *lol*t und *rotfl*t; er erwacht morgens mit einer fixen Idee und liefert am Abend die RC1 dazu; er widmet der Vergabe eines Hostnamens ähnlich viel gedanklichen Aufwand wie andere der Namensgebung ihres Erstgeborenen, spricht mit seinen Maschinen und hat oftmals eine herzlichere Beziehung zu ihnen als zum/r Partner(in)…

Ich schätze, die Liste ist lange nicht vollständig, aber es trifft’s schon ganz gut. Aber mal ehrlich: mit einem Informatiker wird es wenigstens nie langweilig. Klar, Fakten und trockenes Wissen können in manchen Momenten als befremdliche Komponente wahrgenommen werden, aber dafür ist die Wahrscheinlichkeit gering, daß einem der Gesprächsstoff ausgeht. Denn allen Vorurteilen zum Trotz: der Informatiker ist in aller Regel sehr belesen, interessiert, humorvoll und durchaus kommunikativ – sofern der Gesprächspartner paßt.

Und wenn man seine Scherze nicht kapiert, sollte man mal überlegen, ob das wirklich an der abgefahrenen Art des Informatikers liegt :-D

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