Was Beziehungen aus Freundschaften machen

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Ich hatte mal einen Kollegen, mit dem ich mich wirklich mehr als gut verstand. Wir verbrachten Bildschirmpausen zusammen. In einem Sommer, das Wetter war richtig toll, liefen wir in den Mittagspausen, so der Dienstplan es gestattete, zum Einkaufszentrum und schleckten ein Eis.

Wir unterhielten uns über Gott und die Welt und natürlich auch über Beziehungen; da war ein Vertrauensverhältnis, da war Freundschaft. Seine größter Unmut rührte aus der Tatsache, daß er solo war – das schon seit gewisser Zeit und mit Vehemenz. Und ich freute mich, als er schließlich eine Frau kennenlernte und sich verliebte.

Es folgten endlose Diskussionen, per ICQ, Skype, IRL; er entwarf Pläne, die Frau für sich zu gewinnen, ich mahnte, riet und tröstete, ich lachte mich kaputt und ärgerte mich und vor allem: ich fieberte richtig mit.

Schlußendlich wurden die beiden ein Paar.

Seither habe ich de facto nichts Vernünftiges mehr von ihm gehört. Noch ein paarmal ICQ, hierbei war aber sie das Hauptthema, und das ist auf Dauer halt auch langweilig; seit Wochen nun nichts – kein Anruf, keine Mail. Einfach nichts.

Ich verstehe das nicht; offenbar war ich für diese Freundschaft gut genug, als es ihm nicht so toll ging; jetzt ist er im Vollgefühl seiner selbst und braucht mich nicht mehr. Vor allem: das ist ja nicht der erste Mensch, mit dem es mir so geht. Ich finde das Verhalten der Leute einfach bescheuert! Definieren die sich selbst komplett über eine Beziehung und meinen, sie brauchen dann keine Freunde mehr? Oder ist ihnen nicht bewußt, was sie da eigentlich machen? Und: was sind Freundschaften dann überhaupt wert?

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