Es ist nicht so, daß uns die Sorgen der perspektivlosen Fremden, die wir da zu sehen kriegen, wirklich berühren würden; vielmehr drängt hier eine Art Voyeurismus an die Oberfläche: mehrere Geschöpfe, die man mit etwas Humor schon fast als Menschen bezeichnen könnte, kämpfen hier um den als Traumjob deklarierten Posten.
Dabei handelt es sich wahlweise um Ausbildungs- oder Vollzeitstellen bei McGehtjagarnicht, als Leichenwäscher, Flugbegleiter, Floristen, Kosmetiker usw., um die sich »in real life« kein Schwein reißt. Es fallen lächerliche Schlagworte wie »der Job deines Lebens« und »ein Traum wird wahr« — mir hingegen wird schlicht und ergreifend schlecht. Aber ich schnappe mir eine Tüte Erdnußflips und mache es mir auf der Lotterliege gemütlich: diese kollektive Blamage kann und werde auch ich mir diesmal nicht entgehen lassen.
Was treibt die Leute dazu, sich für solch eine Sendung zu prostituieren? Was zahlt der Sender dafür, daß die Teilnehmer sich zukünftig nirgends mehr werden blicken lassen können, nicht mehr ernst genommen und ausgelacht werden? Es fasziniert mich. Die Bewerber labern, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist; Bewerbungsgespräche in breitester Mundart, Fremdsprachenkenntnisse, die jeder Beschreibung spotten.
Das Schlimme: die potentiellen Arbeitgeber sind in aller Regel kein Stück besser. Fühlen sich halt großartig, weil sie auch mal in die Kamera grinsen dürfen. Und unter Beweis stellen, daß sie sehr schlau sind. Sie dürfen sich als die großen Gönner fühlen, und sie tun das mit Hingabe — und versengen sogar den abgestoßenen Fernsehzuschauer mit den Strahlen ihrer Glorie.
An wen richten sich Sendungen wie diese? An die arbeitende Bevölkerung – zur Belustigung? Beruhigung? »Seid froh mit eurem Job, hättet ihr keinen wär’s viel schlimmer!«?
Oder an die arbeitslose Bevölkerung? »Eure Chancen stehen 1:4, daß auch ihr irgendwo unterkommt, ganz egal wie dämlich ihr euch anstellt!«?
Es ist entwürdigend, so oder so. Und eine Frechheit, Menschen zu so etwas zu mißbrauchen und in aller Öffentlichkeit lächerlich zu machen. Aber es findet ja Anklang; wären die Einschaltquoten beschissen, wäre der Quatsch schon lange eingestampft. Heute abend gehöre ja auch ich zu den Zuschauern: man muß den Feind kennen. Nocheinmal wird mir das sicherlich nicht passieren.
So, genug aufgeregt. Das war mal wieder ein Ausflug in die heutige Fernsehwelt — bis auf weiteres bin ich restlos bedient. Und ehe ich mein Herz-Kreislaufsystem noch mit einem Aufreger über »Britt’s Baby-Blog« belaste, schließe ich lieber.
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