Irgendwie unlustig

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Ich fühle ich mich etwas bematscht als der Wecker klingelt, jedoch komme ich recht gut aus dem Bett, hüpfe unter die Dusche, mache ein wenig Unsinn mit der Miez und höre im Auto lustige Musik, die ich herrlich falsch mitpfeife. Ich bin stolz auf mich: es ist frühmorgens und ich habe mich extra fürs Training aus den Federn geschält, und hier flitze ich nun, in meiner unförmigen (aber bequemen) Stoffhose und dem unkleidsamen (aber bequemen) Hemdchen, auf dem Stepper dahin.

»Sie legen ja ein ganz schönes Tempo an den Tag.«

Ich mag Rentner; die erzählen die dollsten Geschichten, Hektik und Eile sind ihnen üblicherweise fremd, und freundlich sind auch die meisten. Bloß: ich bin hier mit 250 Watt am Rennen. Ich will nicht reden, ich bin da eigen.

»Als ich jung war, da bin ich auch immerzu gerannt, jaha! Aber jetzt hab’ ich eine künstliche Hüfte…«

Freundlich nicken, weiterflitzen. Bloß nicht nachhaken! Die fangen dann nämlich zu erzählen an, und mir ist jetzt noch schlecht von den Unterleibs-Episteln unserer Putzfrau.

Ausgesteppt; ich würde jetzt zu gerne mit dem eigentlichen Training anfangen, aber mein Lieblings-Renter besetzt das erste Gerät und macht Pause. Eine Weile schaue ich ihm dabei zu, dann spreche ich ihn an — er versteht mich nicht, also schreie ich ihn an — daß ich um 10h00 auf der Arbeit sein muß und mein Training gerne zu Ende bringen würde. Er hat Verständnis und setzt sein Trainingskoma auf dem übernächsten Gerät fort, auf dem ich hätte trainieren müssen…

Es ist wie an so vielen Tagen: gutgelaunt starte ich in den Tag, leicht griesgrämig trinke ich die zweite Tasse Kaffee, und um die Mittagszeit wünsche ich mir den sofortigen tödlichen Schlaganfall; es ist nur die Bratwurst, die mich aus dieser Krise erretten kann.

Die Schlange am »Riesenbratwurst-zum-Sonderpreis-Büdchen« ist lang, und ich verhungere fast, während ich Zentimeter für Zentimeter dem Eldorado entgegensteuere; endlich darf ich der grobgesichtigen Person, der man ansieht, daß sie vermutlich des öfteren von der eigenen Ware nascht, meinen Wunsch artikulieren — sie nimmt ihn freundlich zur Kenntnis und gibt sich ersteinmal mit stoischer Ruhe dem Bratwurstwenden hin.

Wie ich heute gelernt habe ist Bratwurstwenden sehr viel diffiziler, als man auf den ersten Blick so meint; tatsächlich liegen die halbverkohlten Fleischreststangen in einem ganz bestimmten Muster auf dem fauchenden Grill, und dieses Muster darf auch durch Drehen der Wurstkörper auf garkeinen Fall gestört werden.

Gemessen an der Tatsache, daß sie locker 36 Würste wendet ehe sie mir die erste Wurst der ersten Reihe verkauft, geht es dann doch überraschend schnell…

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