Augenblicke

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Das Bügelbrett findet sind gottlob hinter der Tür zum Arbeitszimmer wieder, das Bügeleisen indes bleibt vorerst verschwunden; die schwarze Strumpfhose hat ein Loch an der Ferse und eine ansehnliche Laufmasche bis zur Kniekehle, und selbstverständlich ist sie die letzte ihrer Art. Die Feinstrümpfe sind dunkelblau, das ist nicht perfekt — aber besser als geringelte Baumwollsocken, da bin ich sicher.

Ich fahnde nach der Haarbürste und frage mich, wo die Zeit geblieben ist. Die Haarwäsche hat Zeit gekostet und der Kaffee mußte einfach sein, aber ich muß in zwanzig Minuten los und das verdammte Bügeleisen versteckt sich — hach, auf dem Regal mit dem Tandberg-Streamer, neben der Kiste mit den Graphikkarten! Deserteur. Während es aufheizt ringe ich mit der Puderdose. Make-Up? Nein, das überlasse ich Jea. Wo ist das Oberteil zum Kleid? Ich hatte es herausgelegt, nun ist es weg. Und was riecht hier so komisch? Ach, das Bügeleisen.

Das Kleid ist gebügelt, für das andere fehlt die Zeit — eigentlich sieht es zerknittert aber ohnehin besser aus als akkurat glatt. Jetzt schnell, und alles auf einen klar definierten Haufen; Tasche, Bürste, Klamotten, Kippen. Wenn ich meine Schuhe nicht sofort finde, dann gehe ich halt barfuß! Hah, drohen wirkt.

Gespräch bei Eistee und Kippen und nach drei Stunden die Verblüffung: wollten wir nicht eigentlich Bilder machen? Fast siegt die Faulheit, lange Blicke, lange Gesichter — nein, wir haben es schon mehrmals ausgesetzt, haben einfach die Zeit verquatscht, doch auf dieses Mal hatten wir uns gefreut.

Komisches Gefühl, wenn eine andere einem im Gesicht umherpfuscht; das Wimperntuschen kitzelt, der Lippenstift riecht nach chemischem Beeren-Verschnitt, eine Halogenlampe leuchtet mir direkt ins Auge; es ist warm. Als ich in den Spiegel schaue erkenne ich mich selbst nicht wieder, und ich kann nicht beurteilen, ob mir das nun gefällt oder nicht; Jeas Versicherung: sie habe sich noch total zurückgehalten…

Der Reißverschluß des Kleides klemmt, und nun verfangen sich auch noch die Haare darin — nerv! Ich gewinne aber, schleiche über den Gang, erstaunte Blicke — aber ja, das bin wirklich ich. An die Studioblitze gewöhnt man sich; nur zu Anfang ist da irgendwie der Drang, die Augen zuzukneifen. Eigentlich wollte ich Bilder, die zu meiner Stimmung passen — depressive, unterbelichtete Schreckenszeugnisse, doch daraus wird nichts, Otto lungert in der Ecke herum und macht Faxen, Jea robbt bäuchlings über das neue Laminat und ächzt dabei — wie soll man da ernst oder gar deprimiert aussehen?

Bei den Nachbearbeitungen werde ich nicht nocheinmal anwesend sein dürfen, soviel steht fest; unqualifizierte Kommentare wie »Ich habe Arme wie Popeye!« und »Hör auf mit dem Effekt, sieht ja aus als hätt’ ich mir auf den Latz gesabbert…« waren der Sache sicher nicht zuträglich *grins*, aber ich fand mich umwerfend witzig, zumal nach einem Glas Kirschwein.

Doch ich bin kein objektiver Kritiker, so entscheidet Ihr für Euch, ob Euch das eine oder andere der Bilder gefällt — und den Streß wert war. Oh, vielleicht sollte ich die Kommentarfunktion für diesen Eintrag deaktivieren… ;) Mein Dank geht an dieser Stelle an Jea und Otto, ihres Zeichens verantwortlich für Make-Up, Bilder und Kirschwein, an meine Mutter, die mich auf dem Bild nicht erkannte und »die komische Werbung auf ihrem Desktop« einfach wegklicken wollte — und natürlich an meinen Liebsten, der diesen Wahnsinn nicht nur erträgt, sondern sogar unterstützt :)

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